„Es fehlen oft langfristige Strategien“

Interview: Anne Steinbach

Rechtsanwalt Dr. Christian Heintze von der bundesweit tätigen Insolvenzverwalterkanzlei BBL Bernsau Brockdorff hat einen Erwerber für den insolventen Pflegedienst Nikolaus Glöckl gefunden: Der Deutsche Orden übernimmt den Dienstleister. Heintze hatte beim Amtsgericht Hof Insolvenzantrag für den Pflegedienst Nikolaus Glöckl gestellt. Der Inhaber des in Wunsiedel ansässigen Unternehmens war im Juli verstorben. Dr. Heintze im Gespräch mit return.

Dr. Christian Heintze. Bild: © BBL
Dr. Christian Heintze. Bild: © BBL

Der Deutsche Orden übernimmt nun den Dienstleister Nikolaus Glöckl. Wird es dabei zu grundlegenden Änderungen im Betrieb kommen?
DR. CHRISTIAN HEINTZE: Der Pflegedienst Glöckl geht vollständig in die Organisation des Deutschen Orden über. Wir haben in den Verhandlungen einen großen Wert darauf gelegt, dass es für die Patienten zu einem reibungslosen Übergang kommt. Pflegedienstleistungen beruhen ganz wesentlich auf dem Vertrauen zu einzelnen Personen und zum Dienstleister. Insoweit lag es in beiderseitigem Interesse, dass z. Bsp. die Ansprechpartner für Patienten und Angehörige gleich bleiben.

In einem Bericht erklärten Sie, dass gerade der mobile Pflegedienst ausgebaut wird. Ist das ein Trend in dieser Branche?
Die Marktkonzentration in der Pflegedienstleistungsbranche schreitet seit Jahren voran. Insoweit ist es für jeden Anbieter ein Gebot der Stunde, sein Angebot zu erweitern und bestehende Strukturen zu nutzen, um seine Dienstleistungen weiter zu diversifizieren. Dies kann durch eigenes Wachstum aber auch durch die Übernahme von anderen Anbietern erfolgen.

Sie betonten, dass Sie den Fortbestand des Unternehmens durch eine übertragende Sanierung sichern möchten. Was hat es damit auf sich?
Der Geschäftsbetrieb wurde mit seinen wesentlichen Teilen auf einen anderen, gesunden Unternehmensträger übertragen. Nur in einem Insolvenzverfahren kann so das operative Geschäft von den finanziellen Lasten der Vergangenheit getrennt werden. Für einen Übernehmer ist dies mit zwei wesentlichen Vorteilen versehen: Frei von Verbindlichkeiten verfügt der Erwerber sofort über eine funktionsfähige Geschäftseinheit, ohne eine längere Anlaufphase. Werden darüber hinaus noch Synergieeffekte wie im vorliegenden Fall genutzt, kann ein Wachstum schnell und effizient umgesetzt werden.

Neben Nikolaus Glöckl steht es auch um andere Pflegedienste nicht gut. Überraschen Sie solche Meldungen?
Nein. Der Kostendruck in der Pflegebranche aber auch allgemein im Gesundheitswesen ist nach wie vor erheblich. Hinzu kommen weiter steigende Anforderungen an das Qualitätsmanagement, insbesondere auch die Pflegedokumentation. Auch die Zusammenarbeit mit den Pflegekassen wird anspruchsvoller. Verschärft werden diese Entwicklungen durch einen akuten Fachkräftemangel. Gerade kleineren und mittleren Unternehmen fällt es schwer, einerseits die erforderlichen Strukturen im Hintergrund planvoll weiterzuentwickeln und anderseits ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Dabei das Kerngeschäft, die angemessene und zugewandte Betreuung von pflegebedürftigen Menschen nicht aus den Augen zu verlieren, ist eine große Herausforderung.

Was läuft, Ihrer Meinung nach, falsch im Management von Pflegediensten?
Es fehlen oft langfristige Strategien. Nur mit einem aus einer strategischen Überlegung abgeleiteten Ziel können sinnvolle Entscheidungen getroffen werden. Diesem Überlegungsprozess wollen sich nur wenige aussetzen. Aber mit einem Zeithorizont von nur wenigen Wochen oder Monaten ist gerade in einem sehr wettbewerbsintensiven Umfeld kein langfristiger Erfolg möglich.