„Die Zahl der Interim Manager steigt“

Auch in diesem Jahr sind Interim Manager wieder gefragt. Wie viele Manager auf Zeit es 2017 geben wird, in welchen Branchen sie arbeiten, was sie verdienen und warum 2015 ein wichtiges Jahr für die Branche war, erklärt Dr. Marei Strack, Vorstandsvorsitzende der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management, im Interview mit return.

Frau Dr. Strack, in den vergangenen fünf Jahren wuchs der Markt für das Interim Management jährlich um teilweise über 20 Prozent. Wie sehen die Prognosen für 2017 aus?
Der Markt für Interim Management-Dienstleistungen legt auch 2017 weiter zu: So wird das Honorarvolumen der Branche um knapp 15 Prozent wachsen. Für Interim Management-Einsätze in Führungspositionen liegt das Honorarvolumen damit zum Jahresende bei fast 1,8 Milliarden Euro. Die positive Marktprognose basiert auf der jährlichen Mitgliederumfrage der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management e. V. (DDIM) unter Interim Managern in Führungspositionen. Die deutlich positive Entwicklung des Marktes in den vergangenen Jahren zeigt eindrucksvoll, wie sehr die Bedeutung des Managements auf Zeit für die Wirtschaft gewachsen ist.

Das Jahr 2015 gilt in Sachen Wachstum in Ihrer Branche als Ausnahme. Woran liegt das?
Aufgrund der Debatte zur Scheinselbständigkeit herrschte – insbesondere auf Unternehmensseite – eine große Verunsicherung. Wichtige Interim-Projekte wurden 2015 aufgeschoben oder abgesagt. Bedingt dadurch hat 2015 sich der Markt weniger gut entwickelt als erwartet. Wir haben uns dann gemeinsam mit weiteren Partner konstruktiv in die Diskussion auf politischer Ebene eingebracht mit dem Ziel, transparente Grundsatzregelungen für hochqualifizierte, selbständig agierende Interim Manager zu erreichen. Dies ist gelungen: Die hohe Bedeutung des Managements auf Zeit wurde auf politischer Ebene erkannt und damit die Rechtssicherheit für Auftraggeber und Manager gestärkt.

Wie viele Manager auf Zeit wird es in diesem Jahr voraussichtlich geben, wie ausgelastet sind diese und zu welchem Tagessatz arbeiten sie?
Die Zahl der aktiven Interim Manager steigt 2017 weiter an: Bei den Managern auf Zeit in Führungspositionen erwartet die DDIM eine Zunahme von 8.000 auf 8.500 bis Ende 2017. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren gerade einmal 5.500 Manager auf Top-Management-Niveau aktiv. 2016 lag die Auslastung bei 158 Tagen, für 2017 rechnen die Manager mit einem Anstieg der Auslastung auf 167 Tage. Erwartet wird 2017 ein durchschnittlicher Tagessatz von 1.160 Euro. Die Tagessätze variieren jedoch stark und hängen von vielen Faktoren wie Aufgabenstellung, Funktion, Einsatzdauer und Unternehmensgröße sowie vielen weiteren ab. In schwierigen Mandaten werden auch Honorare von 2.500 Euro und mehr pro Tag gezahlt.

In welchen Branchen und Unternehmen ist die Nachfrage nach Interim Managern am höchsten und mit welchen Aufgaben werden sie betreut?
Mit 27 Prozent kamen 2016 die meisten Anfragen aus Unternehmen mit 501 bis 1000 Mitarbeitern. Laut Prognose wird dieser Wert 2017 noch leicht zulegen. Interim Management ist damit gerade im traditionellen Mittelstand sehr gefragt. Wichtigste Einsatzbrachen in 2017 werden laut der Prognose der Maschinen- und Anlagenbau (20,5 Prozent) und die Automobilindustrie (15,7 Prozent) sein. Damit haben die beiden Branchen ihre Spitzenplätze aus den zurückliegenden Jahren verteidigt.

Das Thema Digitalisierung ist ein wirtschaftsübergreifender Trend. Spiegelt sich das auch in Ihrer Branche wieder?
Die Digitalisierung war 2016 weniger stark Thema in den Mandaten als erwartet. Für 2017 wir laut der Umfrage das Thema in den durchgeführten beziehungsweise angefragten Mandaten deutlich an Relevanz gewinnen. Thematisch sollen dann nach Aussage der Befragten Interim Manager die Geschäftsprozesse im Fokus stehen.

Dr. Marei Strack ist Vorstandsvorsitzende der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management e. V., der wichtigsten deutschen Branchenvertretung für das Management auf Zeit.