Bergbahnen Destination Gstaad „muss effizienter werden“

Interview: Anne Steinbach

Matthias In-Albon, seit zwei Jahren Geschäftsführer der Bergbahnen Destination Gstaad, über die Umstrukturierung und bislang höchste Investition der Skilift-Branche im Interview mit return.

Matthias In-Albon, Geschäftsführer der Bergbahnen Destination Gstaad. Bild: © In-Albon.
Matthias In-Albon, Geschäftsführer der Bergbahnen Destination Gstaad. Bild: © In-Albon.

Herr In-Albon, Im Januar 2016 stand die Bergbahnen Destination Gstaad kurz vor dem Abgrund. Seitdem wurden rund 70 Millionen Franken beschlossen zu investieren, um das Unternehmen wieder nach oben zu treiben. Wie war die Vorgehensweise? Was ist ihr Ziel?
MATTHIAS IN-ALBON:

Sanierung: Die Vorgehensweise bei der Sanierung war die drückenden Schulden von 58 Mio. auf 7 Mio. Fr. zu reduzieren; unter anderem verzichteten die Kantone Waadt und Bern sowie die Gemeinden der Region auf Forderungen. Das Aktienkapital wurde um 85% herabgesetzt. Gleichzeitig hat die Gesellschaft durch eine Kapitalerhöhung im Januar 2016 25 Mio. Fr. an flüssigen Mittel erhalten, um damit die Erneuerung der Anlagen voranzutreiben.

Restrukturierung: Diese Maßnahmen würden allerdings verpuffen, wenn wir nicht Anstrengungen machen, unsere Profitabilität zu steigern. Eine „straffe Fitnesskur“ ist am Laufen, welche zu einer Erhöhung des Betriebsgewinns (Ebitda) von 4 Mio. auf 8 Mio. Fr. führen soll. Wie bei Effizienzsteigerungsmaßnahmen üblich, wird der Hebel dazu bei den Kosten und den Erträgen angesetzt.

Ziel: Ich möchte, dass die Bevölkerung der Region wieder stolz auf ihre Bahnunternehmen ist und alle in die gleiche Richtung ziehen. Die Umsetzung des kontinuierlichen Prozesses von Public- Service hin zu einer effizienten Unternehmensform sehe ich als das größte Ziel.

Was war der Grund für die anhaltende Misere seit Jahren?
Die Misere geht teilweise bis auf die Gründung der BDG zurück. Vor 14 Jahren schlossen sich zwölf Bahnen zusammen, deren Integration in eine einzelne Gesellschaft fand aber nie mit der nötigen Konsequenz statt. Diese Probleme wurden inzwischen angepackt. Das Unternehmen muss effizienter werden, darf keine neuen Schulden mehr anhäufen und sollte sich aus der Abhängigkeit der öffentlichen Hand befreien.

Sie haben in den ersten zwei Jahren als Geschäftsführer den Aufwand auch durch unpopuläre Entscheide u.a. gegenüber dem Personal stark nach unten korrigiert. Wie kam das in der Destination an?
Die Reaktionen sind gespalten. Viele sind jedoch froh, dass endlich etwas zur Effizienzsteigerung unternommen wird, um langfristig dem Unternehmen eine Zukunft geben zu können. Ein großer Vorteil ist hierbei, dass ich von extern komme.

Mit ihren fast 33 Jahren gelten sie in der Branche als jemand, der hochmotiviert und hartnäckig ist und eine Menge Wissen mitbringt, um der Industrie mal wieder einen ordentlichen Schwung zu geben. Was unterscheidet ihre Strategie von anderen Verantwortlichen in ihrer Position?
Aufhören im Konjunktiv zu reden, sondern machen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Skilift-Industrie?
Die ganze Branche steht unter dem gleichen großen Druck. Es gilt die Probleme zu analysieren, um den Turnaround rechtzeitig zu schaffen. Es besteht ein Verdrängungsmarkt und die Schweizer Seilbahnbranche steht vor einer größeren Konsolidierung. Meiner Meinung nach lassen viele Skiregionen in der Schweiz Weitsicht und Offenheit für Kooperationen missen. Womöglich sind die Not und der Leidensdruck noch nicht groß genug. Gepflegt wird stattdessen ein „Gärtchendenken“, was jedoch langfristig viele Seilbahnunternehmen in Bedrängnis bringen wird: Nicht die Optimierung einer Skiregion steht im Fokus, sondern die des eigenen Micro-Unternehmens. Erschwert wird dieser Prozess durch die Mitsprache der Politik in den Seilbahnunternehmen. Im Berner Oberland hat der Schulterschluss der vier großen Skiregionen mit einem gemeinsamen Saisonabo für 666 CHF ab diesem Winter stattgefunden.