Wirkungsvolle Planung

Text: Mirko Waniczek

Wirkungsvolle Planung hilft dabei, Krisen zu vermeiden und Chancen zu Nutzen. Wie die richtige Planung funktioniert, erklärt Mirko Waniczek, Geschäftsführer der Contrast Ernst & Young Management-Consulting GmbH.

Mag. Mirko Waniczek ist Geschäftsführer der Contrast Ernst & Young Management-Consulting GmbH
Mag. Mirko Waniczek ist Geschäftsführer der Contrast Ernst & Young Management-Consulting GmbH

Unabhängig von Unternehmensgröße und Branche wird die Planung kritisiert: zu hoher Ressourceneinsatz bei gleichzeitig unbefriedigender Prognosequalität. Die Unternehmen werden zu oft von Entwicklungen (negativ) überrascht. Es ist daher dringend notwendig, sich bewusst zu machen, was eine Planung leisten muss und wie dies erreicht werden kann.

1. Anforderungen an eine wirkungsvolle Planung

  • Wachstum gesamthaft beurteilen

Unternehmen streben in der Regel an zu wachsen. Die ökonomische Beurteilung beschränkt sich aber in vielen Fällen auf die Betrachtung der GuV und zahlreiche Zielkonflikte werden nicht beachtet: Welcher Zusammenhang besteht zwischen Wachstum und Rentabilität? Hat das Unternehmen genügend Kapazitäten oder muss es investieren? Sinkt die Eigenkapitalquote bei Fremdfinanzierung zu stark? Welche Risiken entstehen durch das angestrebte Wachstum?

  • Ressourcen optimal einsetzen

Unternehmen wissen noch immer nicht ausreichend über die Ertragsstärke von Produkt- und Kundensegmenten Bescheid. Ohne eine saubere Kostenrechnung als Basis der Planung können aber Priorisierungsfragen nicht zahlenmäßig fundiert werden: Werden vertriebliche Ressourcen primär ertragsstarken Segmenten gewidmet? Kümmert sich das Management um die Entwicklung rentabler Geschäftsfelder? Fließen Investitionsbudgets in Bereiche, die eine überdurchschnittliche Verzinsung erwarten lassen?

  • Ziele setzen und die Zielerreichung spürbar machen

Führen über Ziele erfordert variable Entlohnungskomponenten. Viele Unternehmen achten aber zu wenig auf den Einklang von Mitarbeiter- und Unternehmenszielen: Woraus werden die personenbezogenen Geschäftsziele abgeleitet? Profitieren die Mitarbeiter von der Erreichung dieser Ziele in einem relevanten Ausmaß? Kann aus der Erreichung der mitarbeiterbezogenen Ziele auf einen verbesserten Unternehmenserfolg rückgeschlossen werden?

  • Finanzierungskosten senken

Banken sind ein wichtiger Adressat unternehmensbezogener Information. Der Nachweis der aktuellen und zukünftigen Ertragsstärke eines Unternehmens führt zu einem geringeren Kreditrisiko und damit zu günstigeren Konditionen. Unternehmen müssen sich daher aktiv mit der Strategie(-kommunikation) auseinander setzen: Wie kann die Strategie für die Kapitalgeber in Zahlen übersetzt und greifbar gemacht werden? Wie können Rating und Finanzierungskosten positiv beeinflusst werden?

2. Schritte zur Leistungssteigerung

In der Praxis haben sich Best Practices etabliert. Der Planungsprozess muss mit Zielen starten, die als Grundlage einer dezentralen Planung top-down durch das Management vorgegeben werden, aber definierte dezentrale Handlungsspielräume zulassen. Planung kann entfeinert werden, dafür müssen aber bestehende Geschäftsmodelle und Preis-Mengen-Logiken transparenter abgebildet werden. Planungsressourcen, die in die Planung tiefster Details geflossen sind, werden umgewidmet, um die eine rein GuV-orientierte Steuerung um Cash Flow- und Bilanzthemen zu erweitern und selektiv nicht-monetäre sowie chancen- und risikoorientierte Aspekte zu ergänzen. Der Planungsprozess bietet zudem zahlreiche Ansatzpunkte, um Aktivitäten zu zentralisieren ohne Flexibilität und Marktnähe zu verlieren. Das Spektrum reicht dabei von zentralen Planungsprämissen über zentralisierte Berechnungen von Planwerten bis hin zu einem zentralen „SWAT-Team“, dass dezentrale Einheiten in der Planung entlastet. Zahlreiche manuelle Planungsaktivitäten (z.B. Abstimmungen zwischen Gesellschaften, Ableitung der Bilanz- und Cashwirkung) können automatisiert werden und schaffen freie Kapazität für Business Partnering.

3. Zielbild einer wirkungsvollen Planung

Eine wirkungsvolle Planung hilft Unternehmen, Krisen zu vermeiden bzw. Chancen aktiv zu nutzen. Ein finanzielles Zielsystem dient als verbindliche Messlatte für die aktive Entwicklung des Unternehmens und Input für ein überjähriges Anreizsystem. Die operative und mittelfristige Planung bildet das Geschäftsmodell ab und integriert Erfolgs-, Finanz- und Bilanzplanung. Eine zeitnahe, anlassbezogen einsatzfähige Vorschaurechnung liefert unterjährige Information und eine konkrete Maßnahmenplanung unterstützt die aktive unternehmerische Gestaltung.

Mag. Mirko Waniczek ist Geschäftsführer der Contrast Ernst & Young Management-Consulting GmbH und hat jüngst gemeinsam mit Raoul Ruthner und Andreas Feichter das Buch „Unternehmensplanung und -steuerung. Von der Strategie zum Cashflow“ veröffentlicht.