Offene Plattformen für neues Business

Text: Martina Dopfer und Thomas Schildhauer

Neuer Nutzen und Ertrag entstehen in freien Netzwerken getrieben durch die Digitalisierung. Teamwork ist Trumpf. Doch der deutschen Industrie fehlt es an Aufgeschlossenheit.

Thomas Schildhauer. Bild: © Mike Henning.
Thomas Schildhauer. Bild: © Mike Henning.

Regelmäßig trifft sich die Automobilindustrie mit ihren führenden Technologieentwicklern, Zulieferern und Logistikunternehmen während der Messe IAA. Ziel ist es, sich gegenseitig auf den neuesten Stand der Technik über des Deutschen liebstes Spielzeug zu bringen: das Auto. Doch in diesem Jahr ging es nicht mehr um das reine Produkt. Wie die Debatte um den Dieselskandal belegt, steht mittlerweile die Systeme vernetzende Software im Inneren des Autos im Mittelpunkt.

Das Auto entwickelt sich zur Plattform, die das Mediensystem ansteuert oder Abgasfunktionen aussteuert. Letztlich erhöht das die Flexibilität, um auf individuelle Kundenbedürfnisse einzugehen. Das Mediencenter könnte von Anbietern wie Karten-Providern bespielt, das Telefonsystem flexibel mit Apple- und Android-Produkten verbunden werden. Heute sind Autofahrer deutscher Produkte gezwungen, mit dem vorgegebenen und komplett geschlossenen Mediensystem im Fahrzeug zu interagieren. Die Systeme sind selten leicht verständlich zu bedienen. Eine komplizierte Handbuchanleitung ist obligatorisch.

Service trifft Geschäftsmodell

Martina Dopfer. Bild: © Martina Dopfer.
Martina Dopfer. Bild: © Martina Dopfer.

Anders funktioniert ein Tesla: Mit nur einem Knopf startet das System. Der Fahrer versteht sein elektrisches Luxusmobil ebenso schnell wie sein neues iPhone. Nachwachsende Käufer wollen zudem ein Auto, das situativ am besten passt. Sonne? Cabrio. Getränke kaufen? Kombi. Weite Fahrt? Limousine. Hier treffen Service, Wohlfühlen, Statusformen und Geschäftsmodelle aufeinander.

Moderne Produktplanung und -entwicklung beziehen Menschen als sogenannte „Crowd“ ein. Sie arbeiten auf digitalen Plattformen zeitweise an der Entwicklung neuer Modelle und Services mit. Das offene Netzwerk findet sich über eine digitale Plattform zusammen, um sich etwa über Programmier-Codes oder Hardware-Produkte auszutauschen. Über solche Crowd-Communities ist Open Source Software wie Linux entstanden. Zum zentralen Kodex des Austausches zählt, innovative Software-Produkte zu entwickeln. Diese sollen für alle zugänglich, flexibel anzupassen und kommerzialisierbar sein.

Auto-Entwicklung radikal ändern

Auch um Open Source Hardware wachsen Communities: In „Maker Spaces“ wie dem „FabLab“ aus dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston entstanden neue Produkte wie nachhaltige Bambus-Fahrräder in Zusammenarbeit von Software- und Hardware-Entwicklern, Ingenieuren, Künstlern und Architekten. Die Entwicklung des Autos könnte sich in offenen Plattformen radikal ändern: Renault liefert mit seinem „Twizy“ ein Vorbild, wie traditionelle Automobilhersteller eine Entwicklungsplattform öffnen können. Denn der Twizy ist ein Elektroauto, das über eine offene Plattform von Renault mit einer Crowd aus Co-Kreatoren entwickelt wurde.

Durch die Öffnung gewinnen Unternehmen neues Wissen von externen Experten. Die Innovationskraft steigt, denn Fehler kann man im Entwicklungsprozess schneller entdecken. Ideen zu neuen Geschäftsmodellen scheitern nicht gleich an den Bürotüren der Vorgesetzten. Kundenwünsche sind direkt in der Entwicklung mit einzubeziehen.

Dr. Martina Dopfer ist Projektleiterin „Innovation und Entrepreneurship“ am „Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft“ (HIIG) in Berlin, Prof. Thomas Schildhauer ist Direktor des „Institute of Electronic Business“ (IEB) an der Universität der Künste in Berlin. Ihren vollständigen Beitrag über die Transformation in der Geschäftsmodell-Entwicklung lesen Sie in return 04/17.

Die kommende Ausgabe return 01/18 erscheint am 15. Februar und widmet sich im Magazin-Schwerpunkt der zeitgemäßen Entwicklung von veränderten und neuen Geschäftsmodellen.