Kronzeugen gegen Kartelle

Text: Barbara Bocks und Anja Kühner

Preisabsprachen – wie jüngst bei deutschen Autokonzernen vermutet – erhöhen zwar kurzfristig die Einnahmen beteiligter Unternehmen. Doch langfristig drohen Schäden und Strafen.

Kronzeugen gegen Kartelle. Bild: © iStock
Kronzeugen gegen Kartelle. Bild: © iStock

Wenn sich der Verdacht bestätigt, stehen die vermuteten Preisabsprachen der Autobauer Audi, BMW, Daimler, Porsche und Volkswagen für einen der größten Wirtschaftsskandale der jüngsten deutschen Geschichte. Ausgerechnet die deutsche Automobilindustrie, die noch mitten in der Diesel-Affäre steckt und stark an Vertrauen eingebüßt hat, soll sich in jahrelangen gemeinsamen Treffen zu Punkten wie Technik und Kosten verständigt haben.

Dies haben Reporter des „Spiegel“ jüngst aufgedeckt. Kartellvergehen liegen in Europa derzeit offensichtlich im Trend. Die EU-Kommission hat nach einer Studie der Anwaltskanzlei Allen & Overy im vergangenen Jahr mit 3,73 Milliarden Euro die bisher höchsten Bußgelder verhängt. Weltweit erhoben Kartellbehörden danach Bußgelder in Höhe von sechs Milliarden Euro. Im Vorjahr lag die Summe noch bei 4,7 Milliarden Euro.

Das Bundeskartellamt forderte zuletzt allein gegen zwei Unternehmen der Bekleidungsbranche, Hersteller Wellensteyn International und Händler Peek & Cloppenburg, insgesamt rund 10,9 Millionen Euro wegen vertikaler Preisbindungspraktiken.

Als Kartell verstanden wird im Sinne des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) „eine Absprache oder abgestimmte Verhaltensweise zwischen zwei oder mehr Wettbewerbern zwecks Abstimmung ihres Wettbewerbsverhaltens auf dem Markt oder Beeinflussung der relevanten Wettbewerbsparameter“. Zu diesem Tatbestand zählt unter anderem, wenn Wettbewerber gemeinsam An- und Verkaufspreise sowie sonstige Geschäftsbedingungen festsetzen und koordinieren oder Produktions- und Absatzquoten aufteilen.

Kartelle gibt es schon lange. In „Der Wohlstand der Nationen“ schrieb der schottische Ökonom Adam Smith im 18. Jahrhundert: „Menschen desselben Gewerbes kommen selten zusammen, ohne dass die Konversation in einer Verschwörung gegen die Öffentlichkeit oder mit einem faulen Trick, die Preise zu erhöhen, endet.“

Doch ist eine Absprache von Preisen per se negativ?

Barbara Bocks und Anja Kühner haben zu diesem heiklen Thema in Teamarbeit recherchiert. Ihr kompletter Beitrag über den Kampf gegen Kartelle lesen Sie in return 03/17.