„Es geht darum, Mehrwert für den Kunden zu schaffen“

Interview: Barbara Bocks

Dr.-Ing. Andreas Bastin. Bild: © Kirsten Neumann
Dr.-Ing. Andreas Bastin. Bild: © Kirsten Neumann

Dr. Andreas Bastin, Vorstandsvorsitzender der Masterflex SE, schildert im Interview den Turnaround des Unternehmens vor Jahren – und was prägend aus der Sanierung bis heute nachwirkt.

Herr Dr. Bastin, gab es einen Punkt, an dem der Turnaround in Ihrem Unternehmen hätte scheitern können?
DR. ANDREAS BASTIN: Ja, um die Jahreswende 2008 stand die Situation auf Messers Schneide. Die Hiobsbotschaften, die Beteiligungswerte und somit auch das Eigenkapital dramatisch zusammenstreichen zu müssen, waren kein Spaß. Wir hatten Anfang 2009 eine so genannte „Stand still“-Vereinbarung mit den Banken erreicht mit einer Fortführungsoption bis Dezember 2009. In dieser Zeit konnten wir dann etwas ruhiger unsere Sanierung umsetzen. Im Laufe des Jahres 2009 merkten wir dann, dass unsere Maßnahmen zu wirken beginnen, dass das Kerngeschäft nicht einbricht, und dass wir mit der Sanierung in den einzelnen Unternehmensbereichen so gut vorankommen, wie wir es geplant hatten.

Was sind große Herausforderungen oder Innovationen, die Sie in den kommenden fünf Jahren auf der Agenda haben? Und inwiefern nehmen Sie dafür Erkenntnisse aus der erfolgreichen Restrukturierung mit?
Eine „Lesson learned“ aus der Restrukturierung ist sicherlich, dass wir sehr konsequent einen betriebs- und marktwirtschaftlich gesteuerten Innovationsprozess aufgesetzt haben. Das bedeutet, dass wir nicht einfach jede gute Idee von Kunden oder aus dem Unternehmen umsetzen, sondern dass wir einen sogenannten „Stage Gate“-Prozess etabliert haben. Dabei sind Zwischenziele zu erreichen, also Meilensteine, bei denen wir Controlling-seitig und technisch und vertrieblich prüfen, ob wir mit der Entwicklung auf dem richtigen Weg sind. Dadurch vermeiden wir Fehlentwicklungen und können unsere Aufwendungen und Personalressourcen auf die erfolgversprechenden Innovationen fokussieren. 

Wie bereiten Sie Ihre Mitarbeiter auf die Digitalisierung vor?
Wenn wir mit einem Kunden darüber reden, dass er bestimmte Zustände in seinen Schlauchanwendungen erfassen will, stellt sich ja nicht nur die Frage, wie eine elektronische Erfassung verbaut werden kann, sondern auch, wie man mit diesen Informationen umgeht und diese auch in unsere Abläufe einbindet. Neben den Technikern müssen auch alle anderen Mitarbeiter mit digitalen Lösungen umgehen können. Wir werden Schulungen und Informationsveranstaltungen anbieten, um das Gesamtverständnis für digitale Prozesse und die konkrete Bedeutung für unser Geschäft deutlich zu machen. Im zweiten Halbjahr wird damit in jedem Unternehmensbereich begonnen werden.

Betreiben Sie schon einen Onlineshop?
Das Konzept liegt seit zwei, drei Jahren fertig in der Schublade. Bis heute betreiben wir gleichwohl keinen Onlineshop, weil es im Moment aufgrund unserer Marktwahrnehmung nicht das ist, was der Kunde will. Wir entwickeln eher Partnerkonzepte mit ersten Händlern, damit wir unsere Online- Vermarktung um das Know-how des jeweiligen Händlers ergänzen, der vielleicht aus der Robotik- oder aus der Automobilbranche kommt. Denn letztlich geht es nur darum, einen Mehrwert für den Kunden zu schaffen.

In welcher Organisationsform begleiten Sie den Prozess?
In jeder Tochtergesellschaft der Masterflex Group gibt es einen Kreis aus mehreren Personen, im Durchschnitt zwischen drei bis fünf Personen, die diesen Prozess wahrnehmen und sich mit innovativen Ideen auseinandersetzen. Die Innovationen, die in den nächsten Jahren anstehen, sind diverse Erweiterungen unserer Produkte für neue Anwendungsfelder, gerade im komplexen Maschinenbau und in der Robotik. Aber hier bitte ich um Verständnis für meine Zurückhaltung: Darüber spreche ich am liebsten bei der Markteinführung – nicht schon im Vorfeld.

Das ausführliche Interview mit dem Masterflex-Vorstandschef lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins return 04/17.