Unternehmen kommen im Kampf gegen Korruption voran

Es gibt weniger Korruption in Deutschland. Dennoch: Die Eigenwahrnehmung der Firmen ist positiver als die Realität.

Die Compliance-Kultur hat in deutschen Unternehmen offenbar zu einem ehrlicheren Geschäftsgebaren geführt. Das geht aus dem Global Fraud Survey der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hervor. Demnach ist die Zahl der entdeckten Betrugs- und Korruptionsfälle in Deutschland rückläufig. Getrickst wird aber immer noch. So gab es in den vergangenen zwei Jahren in jedem siebten Unternehmen hierzulande einen bedeutsamen Betrugs- oder Korruptionsfall. 2014 registrierte noch jedes vierte Unternehmen größere Betrugs- und Korruptionsfälle. Damit ist die Zahl der entdeckten Fälle immer noch höher als im internationalen Vergleich. Weltweit wurden nur in etwa jedem achten Unternehmen größere Betrugs- und Korruptionsfälle entdeckt – das ist der gleiche Stand wie noch vor zwei Jahren.

Weltweiter Spitzenreiter bei entdeckten Betrugs- und Korruptionsfällen ist aktuell die Ukraine, wo in den vergangenen beiden Jahren immerhin 48 Prozent der Unternehmen nach eigenen Angaben einen bedeutsamen Fall verzeichneten. Auf den Plätzen folgen Kenia (36 Prozent) und Südafrika (26 Prozent). Die wenigsten Fälle wurden in der Slowakei (keiner), in der Türkei und in Indonesien (jeweils 2 Prozent) entdeckt.

Während Deutschland bei den konkreten Fällen über dem weltweiten Durchschnitt liegt, ist die Eigenwahrnehmung deutlich besser. Nur sechs Prozent der Manager halten Bestechung beziehungsweise korrupte Methoden in Deutschland für weit verbreitet. Weltweit sagen 39 Prozent der Manager, dass Korruption in ihrem jeweiligen Land weit verbreitet ist. Damit hat sich weder in Deutschland noch in der Welt die Eigeneinschätzung der Manager gegenüber der Umfrage 2014 verändert.

Regeln oftmals zu unverbindlich

Für Stefan Heißner, Leiter Fraud Investigation & Dispute Services bei EY, zeigen die Zahlen, dass in Deutschland das Thema Compliance mittlerweile zwar sehr ernst genommen wird, allerdings noch viel Arbeit vor den Unternehmen liegt: „In Deutschland ist die wahrgenommene Korruption im weltweiten Vergleich traditionell außerordentlich niedrig. Jetzt hat auch die Zahl der tatsächlich aufgedeckten Betrugs- und Korruptionsfälle stark abgenommen. Das ist zunächst ein gutes Zeichen.“ Dennoch sei die Durchsetzung von Compliance ein langwieriger Prozess, der auf allen Unternehmensebenen gelebt werden müsse. „Nach den großen öffentlichkeitswirksamen Betrugs- und Korruptionsfälle der Vergangenheit haben viele Unternehmen Compliance zur Chefsache gemacht und sich entsprechende Richtlinien gegeben.“

Heißner verweist darauf, dass zwar 98 Prozent der deutschen Unternehmen mittlerweile Antibestechungs- beziehungsweise Antikorruptionsrichtlinien haben. Weltweit liegt der Anteil bei 84 Prozent. Allerdings seien die Regeln hierzulande oftmals zu unverbindlich. Nur 68 Prozent der Manager nehmen klare Sanktionsandrohungen bei einem Verstoß gegen die Richtlinien wahr. Damit ist der Wert gegenüber 2014 sogar um acht Prozentpunkte zurückgegangen und liegt auch unter dem weltweiten Durchschnitt von 75 Prozent.

Dass klare Sanktionen nach wie vor nötig sind, zeigt ein Blick auf das Unrechtsempfinden so mancher Manager. Jeder fünfte deutsche Manager würde entweder Unterhaltungsdienstleistungen finanzieren oder persönliche Geschenke machen, um sein Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung zu retten. „Der wahre Wert von Compliance-Richtlinien zeigt sich, wenn dunkle Wolken aufziehen, also Unternehmen drohen, ihre Ziele zu verfehlen“, so Heißner. „Dass jeder fünfte Manager in so einem Fall bestechen würde, um den Geschäften auf die Sprünge zu helfen, ist alarmierend.“ Darum warnt der Experte:“Der Schaden, den Bestechung und Korruption anrichten können, kann für das Unternehmen aber auch den beteiligten Manager existenzbedrohend werden.“ Neben der Strafverfolgung drohen Imageschaden sowie etwaige Schadensersatzforderungen.

Die komplette Studie finden Sie hier.

Dieter Schütz  / pixelio.de