Wie „radikal anders“ ist Ihr Geschäftsmodell?

Die geheime DNA von herausragenden Familienunternehmen hat Markus Weishaupt in seinem Buch „radikal anders“ analysiert. Im return-Interview erläutert er, was diese Unternehmen auszeichnet, wie solide Unternehmen besser werden können und was Kapitalgesellschaften von ihnen lernen können.

     Markus Weishaupt     ist geschäftsführender Gesellschafter von Weissman & Cie. Italia, Weissman Austria und Weissman Suisse. Vor seinem Einstieg bei Weissman & Cie. arbeitete er für die Citibank in Dublin, London und Mailand. Er hat zudem als Marketingleiter in der Lebensmittelindustrie Erfahrung gesammelt, war bei der Maico GmbH im Bereich Großhandel von Baubeschlägen international tätig und war Geschäftsführer der Maco Herrajes S.L.

Markus Weishaupt
ist geschäftsführender Gesellschafter von Weissman & Cie. Italia, Weissman Austria und Weissman Suisse. Vor seinem Einstieg bei Weissman & Cie. arbeitete er für die Citibank in Dublin, London und Mailand. Er hat zudem als Marketingleiter in der Lebensmittelindustrie Erfahrung gesammelt, war bei der Maico GmbH im Bereich Großhandel von Baubeschlägen international tätig und war Geschäftsführer der Maco Herrajes S.L.

Herr Weishaupt, ist es Zufall, dass die erfolgreichsten Unternehmen Familienunternehmen sind?
MARKUS WEISHAUPT: Familienunternehmen haben eine intrinsische Eigenschaft, die keine andere Unternehmensform aufweist, und zwar die Konvergenz von Eigentum und Führung. Diese Eigenheit ist zwar kein Garant für Erfolg, aber im Normalfall bringt sie ein erhöhtes Maß von unternehmerischem Verantwortungsbewusstsein mit sich. Schließlich fällt im Familienunternehmen jede Entscheidung direkt oder indirekt auf die Familie zurück, im positiven Fall, wie im negativen. Wenn also auf dieser Basis gesundes unternehmerisches Handeln stattfindet, dann sind Familienunternehmen unglaublich erfolgreich. Anders ausgedrückt: Kapitalmarktfähige Familienunternehmen sind unschlagbar.

Was unterscheidet herausragende von soliden Familienunternehmen?
Die herausragenden Familienunternehmen leben ein Geschäftsmodell, das ich als „radikal anders“ bezeichne. Sie zeichnen sich durch eine starke, ganz eigene, wertebasierte Unternehmenskultur aus, sind stark konzentriert auf ihre herausragenden Kernkompetenzen, international tätig, oft Weltmarktführer in ihrer Nische, auch wenn stark regional verwurzelt. Sie begeistern ihre Kunden ständig mit nützlichen Innovationen, die nur durch eine offene Innovationskultur im Unternehmen möglich sind. Der richtige Kunde (nicht jeder!) ist bei diesen Unternehmen alles. Für ihn machen sie Unmögliches möglich. Die herausragenden Familienunternehmen sind unabhängig, vor allem Banken-unabhängig. Sie haben Eigenkapitalquoten von 70 oder 80 Prozent und auch mehr, kennen das Wort Schulden nicht und haben Liquidität, mit welcher sie all ihre strategischen und operativen Projekte finanzieren. Und nicht zuletzt, herausragende Familienunternehmen überleben ihre Unternehmer und Unternehmerinnen. Das mag hart klingen, ist aber so. Sie regeln mit Weitsicht die Nachfolge und die Mehrgenerationalität im Unternehmen und passen Führungs-und Managementstrukturen in der Firma und in der Familie den jeweiligen Herausforderungen zeitnahe an.

Was können/müssen solide Familienunternehmen unternehmen, um herausragend zu werden?
Sie müssen ihr Geschäftsmodell ungeschminkt und kritisch überprüfen. „Radikal anders“ ist nicht ein Konzept, das von Professoren oder Beratern gedacht wurde, sondern von herausragenden Familienunternehmen gelebt wird. Ich habe die Bausteine dieses Modells lediglich zusammengetragen und in ein einfaches System gebracht. Ich bin überzeugt: Erfolg hat immer auch System, das man analysieren, erlernen und anwenden kann. Familienunternehmen sollten sich die Frage stellen, wie „radikal anders“ ihr Geschäftsmodell eigentlich ist und bei welchen Elementen sie sich verbessern müssen. Gerade das Thema Unabhängigkeit wird bei meinen Vorträgen stark diskutiert. Es sei nicht möglich, heißt es oft. Nun, nahezu alle Banken-unabhängigen Familienunternehmen haben im Laufe ihrer Geschichte einmal sehr schlechte Erfahrungen mit ihren Banken gemacht. Daraus haben sie gelernt und sich Unabhängigkeit als Ziel definiert. Einfach ist das natürlich nicht, aber nur was man sich als Ziel setzt, kann man auch erreichen.

Geht das ohne eine entsprechende Veranlagung in den „Genen“?
Alle Familienunternehmen haben, wie gesagt, diese intrinsische Veranlagung. Die Frage ist eher, was daraus gemacht wird. Ich mache oft den Vergleich mit Talenten. Jeder von uns kennt irgendein sogenanntes „ewiges Talent“. Es ist eben deshalb ein „ewiges Talent“, weil dieses Talent nie aufgeblüht ist. Ein Talent, damit es fruchtet, muss auch richtig und aufmerksam trainiert werden. Radikal kommt aus dem Lateinischen und hat eine zweifache Bedeutung. Es bedeutet einerseits „Wurzel“ und andererseits „extrem, kompromisslos“. Es braucht beides, die Wurzel, die in Familienunternehmen sowieso anders ist, und die extreme, kompromisslose Umsetzung dieses außergewöhnlich erfolgreichen Geschäftsmodells.

weishaupt 3e.inddWie lässt sich die DNA über Generationen sichern?
Durch gesteigertes Bewusstsein, wobei gewusst nicht bewusst ist und bewusst noch lange nicht angewandt bedeutet. Wenn ich Unternehmerfamilien als Sparringspartner, Berater und als Mitglied des Familienrates begleite, setzen wir uns auch das Ziel, den Reifegrad aller im Unternehmen tätigen und nicht tätigen Familienmitglieder in ihrer Beziehung zum eigenen Familienunternehmen zu erhöhen. Wenn das Familienunternehmen im Bewusstsein aller Familienmitglieder den Stellenwert erhält, den es tatsächlich für die Lebensumstände der Unternehmerfamilien und der Mitarbeiterfamilien hat, dann ist das einer der wesentlichen Errungenschaften im Hinblick auf die Kontinuität der „Erbanlage“. Außerdem muss das „radikal andere“ Geschäftsmodell immer wieder auf den Prüfstand. Sind wir noch fit? Müssen wir Anpassungen vornehmen? Fast immer ergeben sich daraus Handlungsfelder, an denen man dann arbeitet. Das erhält die DNA am Leben.

Was können Kapitalgesellschaften von den herausragenden Familienunternehmen lernen?
Im Wesentlichen sind das Themen wie Unternehmenskultur, die gelebten Werte, das Konzept des hohen Verantwortungsbewusstseins und der sich daraus ergebenden Konsequenzen, denn Verantwortung ohne Konsequenzen ist bekannter Maßen keine Verantwortung. Auch das Charakteristikum der Unabhängigkeit ist sicherlich spannend, gerade in einer über lange Zeit überzogenen „leverage effect“-Welt, in welcher Familienunternehmen in Finanzkreisen als „boring banking“ bezeichnet wurden. Man sieht, dass „boring banking“ extrem aufregend sein kann und, dass Familienunternehmen immer mehr in den Fokus von Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft gelangen. Das freut mich riesig!