Zwei Papierfabriken setzen auf erfolgreichen Neustart

Zwei traditionsreiche Papierfabriken machen sich auf den Weg aus der Krise. Die Papierfabrik Feldmuehle Uetersen in Schleswig-Holstein musste jetzt Insolvenz anmelden – ist aber guter Hoffnung. Für den Papierhersteller Hainsberg in Sachsen geht es knapp ein Jahr nach Insolvenzantrag wieder aufwärts.

Für die Feldmuehle Uetersen GmbH bei Hamburg und die Papierfabrik Hainsberg in Sachsen geht es jetzt um einen guten Weg in die Zukunft. Bild: Fotolia/T. Michel

Zunächst in den Norden. Westlich von Hamburg hat die Feldmuehle Uetersen GmbH seit 1904 ihren Sitz. 420 Beschäftigte produzierten hier bisher rund 250.000 Tonnen Papier. Die Produkte werden weltweit überwiegend für die Herstellung klassischer Printprodukte und in der Verpackungsindustrie eingesetzt. Am 24. Januar musste das Traditionsunternehmen beim Amtsgericht Pinneberg Insolvenzantrag stellen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmte das Gericht den Hamburger Sanierungsexperten Dr. Tjark Thies der Kanzlei Reimer Rechtsanwälte.

Vorläufiger Insolvenzverwalter Dr. Tjark Thies. Bild: © Reimer Rechtsanwälte

Thies erklärte jetzt in einer Unternehmensmitteilung: „Der Geschäftsbetrieb wird uneingeschränkt fortgeführt. Das betrifft die Produktion genauso wie Einkauf, Vertrieb, Marketing und Logistik.“ Heiner Kayser, Geschäftsführer von Feldmuehle Uetersen GmbH ergänzte: „Unsere Kunden können sich darauf verlassen, weiterhin pünktlich beliefert zu werden.“ Lieferanten könnten bei Neubestellungen sicher sein, ihr Geld zu erhalten.

Auch die Beschäftigten werden weiterhin für ihre Arbeit entlohnt: Ihre Gehälter werden bis Ende März 2018 über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert.

„Feldmuehle besitzt erstklassige Produkte und Produktionsanlagen“

Weiteren Unternehmensangaben zufolge erarbeiten Tjark Thies und ein Expertenteam von Reimer Rechtsanwälte gemeinsam mit dem Münchner Restrukturierungsberater Ruppert Fux Landmann GmbH sowie dem Feldmuehle-Management eine Bestandsaufnahme. „Feldmuehle besitzt erstklassige Produkte, Produktionsanlagen und Prozesse sowie eine hoch motivierte Belegschaft und eine führende Marktposition. Wir dürfen das aktuelle Verfahren also berechtigt als Chance für das Unternehmen begreifen“, sagt Thies.

Die Feldmuehle werde die begonnene strategische Neuausrichtung mit den insolvenzrechtlichen Mitteln fortführen. In den kommenden Wochen werde geprüft, inwiefern die wirtschaftliche Sanierung ganz aus eigener Kraft in Frage komme“, so Unternehmensberater Ruppert. Eine Alternative dazu sei die Übernahme durch einen Investor.

Papierfabrik Hainsberg in Sachsen stolperte über Baumaßnahme

Im Osten Deutschlands, im sächsischen Freital, traf es im vergangenen Jahr die Papierfabrik Hainsberg. Das Unternehmen wurde 1838 und erwirtschaftete zuletzt mit Recyclingpapieren in den Produktgruppen Druckpapiere, Büropapiere, Briefumschlagpapiere und Spezialverpackungspapiere einen Umsatz von rund 30 Mio. Euro. Ursache der Finanzkrise war eine Baumaßnahme während des laufenden Betriebes, die sich als deutlich komplizierter als geplant erwies und deshalb preislich aus dem Ruder lief.

Die Folge: Das Unternehmen war im April 2017 zahlungsunfähig und meldete Insolvenz an. Inzwischen ist das Verfahren in Eigenverwaltung abgeschlossen. Wie die Sächsische Zeitung berichtet, stimmten die Gläubiger vor wenigen Tagen am Amtsgericht Dresden dem Insolvenzplan einstimmig zu. Der hauseigene Plan sieht eine finanzielle Restrukturierung der Papierfabrik vor.

Papierfabrik Hainsberg musste nicht betriebsbedingt kündigen

Die traditionsreiche Papierfabrik hielt seit Beginn des Verfahrens den Geschäftsbetrieb ohne Einschränkungen aufrecht. „Wir mussten keinem unserer 120 Mitarbeiter betriebsbedingt kündigen und konnten unser Unternehmen auch strategisch weiter neu ausrichten“, berichtet Geschäftsführer Dietrich Arnhold in der Sächsischen Zeitung. Und: „Wir haben bereits vor zwei Jahren begonnen, unser Produktportfolio in Richtung Spezialverpackungspapiere zu erweitern. Die Entwicklungsarbeiten dazu haben wir auch während der laufenden Sanierung weiter vorangetrieben und auf diese Weise neue Kunden gewonnen.“

Als Sachwalter hatte das Gericht Dr. Nils Freudenberg bestellt. Dieser zeigte sich mit dem Ergebnis des Sanierungsverfahrens ebenfalls sehr zufrieden. Die Sächsische Zeitung zitiert ihn so: „Die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten, Finanzierern und Sachwaltung hat zu diesem erfreulichen Ergebnis beigetragen. So war es möglich, dass das Unternehmen operativ weiter in der Gewinnzone bleibt und wir uns vor allem auf die finanzwirtschaftliche Sanierung konzentrieren konnten. Jetzt kann die Papierfabrik Hainsberg zuversichtlich in die Zukunft blicken.“