Zahlungsmoral von Unternehmen verbessert sich

Lieferanten-Rechnungen werden nicht immer sofort beglichen. Bild: © apops / Fotolia

Geht es um das Bezahlen von Rechnungen, werden Firmen zuverlässiger. Lieferanten räumen ihnen darum mehr Zeit ein.

Das Vertrauen in große Unternehmen wächst: Lieferanten und Kreditgeber haben Betrieben im ersten Halbjahr 2017 durchschnittlich 32,51 Tage eingeräumt, um ihre Rechnungen zu begleichen – das war ein ganzer Tag mehr als im Vorjahreszeitraum, wie der aktuelle Creditreform-Zahlungsindikator zeigt. Zurückzuführen ist das unter anderem darauf, dass die Forderungsausfälle im Zuge der anhaltend guten Wirtschaftslage zuletzt zurückgegangen waren. Von den verlängerten Zahlungszielen profitierten dabei vor allem große Kunden, denn ihnen wurden im Durchschnitt 1,35 Tage mehr Zeit eingeräumt. Bei kleinen Unternehmen dagegen reduzierten sich die Fristen um 0,04 Tage.

Die Verlängerung der Zahlungsziele erhöhte allerdings auch die Forderungslaufzeit und reduzoerte somit die Liquidität der Lieferanten: Bis diese ihr Geld erhielten, dauerte es 0,65 Tage länger als im Vorjahr. Besonders lange Forderungslaufzeiten wurden bei Geschäften mit Unternehmen aus dem Einzelhandel, dem Baugewerbe und bei Unternehmensdienstleistern registriert.

Bessere Zahlungsmoral

Die Zahlungsmoral der Kunden hat sich insgesamt verbessert: Lag die Verzugsdauer im ersten Halbjahr 2016 noch bei 10,45 Tagen, so reduzierte sie sich nun auf 10,11 Tage. Vor allem Unternehmen aus der chemischen Industrie und dem Einzelhandel beglichen ihre Rechnungen deutlich schneller als im Vorjahr. Zu einer Verschlechterung des Zahlungsverhaltens kam es dagegen im Verkehrs- und Logistiksektor sowie bei personenbezogenen Dienstleistungen.

Betrachtet man die Rechtsformklassen, so haben Unternehmergesellschaften (UG) ihre Rechnung zwar 1,49 Tage schneller beglichen als im Vorjahr, allerdings waren sie im Durchschnitt immer noch 17,80 Tage überfällig – das ist mehr als bei jeder anderen Rechtsform. So verwundert es auch nicht, dass der UG die Zahlungsziele auf durchschnittlich 22,67 Tage gekürzt wurden. Zum Vergleich: Einer GmbH werden im Durchschnitt 32,36 Tage (Vorjahr: 30,89 Tage) gewährt. Auch werden von der Unternehmergesellschaft (UG) deutlich kleinere Beträge per Rechnung bezahlt – im Durchschnitt waren es 554 Euro (GmbH: 1946 Euro).

Ein Gradmesser für die Wirtschaftsaktivität einer Firma ist auch die Anzahl der Rechnungsbelege, die diese zu begleichen hat. Die Analyse zeigt, dass vor allem die Rechtsformen „AG“, „KG“, „eG“ und „GmbH & Co. KG“ sehr viele Geschäftsbeziehungen eingehen und pro Unternehmen zwischen Januar und Juni 2017 bis zu 88 Rechnungen (AG) bezahlt haben. Im Durchschnitt hatte ein Unternehmen in Deutschland im 1. Halbjahr 2017 zehn Rechnungen beglichen. Eine UG hatte in diesem Zeitraum vier Käufe auf Rechnung getätigt, Unternehmen aus dem Bereich „Freie Berufe“ nur zwei.