Zahlungsmoral der Unternehmen weiterhin gut

Die Wirtschaft brummt. Vor allem der Mittelstand profitiert von vollen Auftragsbüchern, niedrigen Zinsen und weiterhin starker Nachfrage. Auch die Zahlungsmoral der Unternehmen ist gut. Doch selbst in solch wirtschaftlich guten Zeiten sollten sich Unternehmen gegen schlechte Zahlungsmoral wappnen und ihr Forderungsmanagement sturmfest machen. 

Die Zahlungsmoral von Unternehmen ist aktuell recht gut. Doch ein Forderungsmanagement bleibt für Firmen eine Kernaufgabe. Foto: © Picture-Factory / fotolia.com

 

Denn Liquiditätsengpässe durch Zahlungsverzögerungen oder sogar –ausfälle können eine Firma schnell vor eine harte Probe stellen. Diese Empfehlung gibt der Bundesverband der Inkasso-Unternehmen (BDIU) vor dem Hintergrund seiner jüngsten Umfrage zur Zahlungsmoral.

Zum Jahresende 2017 hatte der BDIU seine 560 Mitgliedsunternehmen im Detail befragt. Der Rücklauf lag laut BDIU bei etwa 50 Prozent. Von diesen 280 Unternehmen berichteten laut BDIU 66 Prozent, dass Rechnungen jetzt genauso gut wie noch zu Jahresbeginn beglichen werden. 23 Prozent hätten sogar die Erfahrung gemacht, dass die Zahlungsmoral noch besser geworden sei. Und: Drei von vier befragten Unternehmen erwarten, dass der Trend in diesem Jahr anhält. Von dieser guten Grundstimmung sollten sich Unternehmen aber nicht blenden lassen.

Bei Firmenpleiten sehen Gläubiger im Schnitt nur 3,9 Prozent

„Denn auch aktuell verursachen Insolvenzen erhebliche Schäden. Für 2016 bezifferte das Statistische Bundesamt (Destatis) die für Gläubiger erwarteten Forderungen auf immerhin 27,4 Milliarden Euro, das waren sogar rund 10 Milliarden Euro mehr als im Jahr davor – bei gleichzeitigem Rückgang der absoluten Zahl an Insolvenzen. Grund: Es gab mehr Zusammenbrüche wirtschaftlich bedeutender Firmen“. Der BDIU weiter: Im Durchschnitt bekämen Gläubiger nur 3,9 Prozent ihrer Forderungen im Zusammenhang mit Firmenpleiten zurück, bei Verbraucherinsolvenzen nur 1,5 Prozent.

Öffentliche Hand entwickelt sich konträr zum allgemeinen Trend

Außerdem macht der BDIU auf einen anderen Trend aufmerksam: „Trotz sprudelnder Steuereinnahmen lassen sich Behörden mancherorts besonders lange Zeit, fällige Forderungen zu bedienen. Unter anderem Handwerker und andere Dienstleister haben dann oft das Nachsehen“, kritisiert BDIU-Präsidentin Kirsten Pedd. Damit entwickele sich die Rechnungstreue von Behörden völlig konträr zur allgemeinen Zahlungsmoral. Denn bei der Umfrage meldeten 88 Prozent der Teilnehmer, dass insbesondere Städte und Gemeinden ihre Rechnungen genauso lax bezahlen wie noch zu Beginn des Jahres. Jeder Zehnte beobachtete sogar eine weitere Verschlechterung der behördlichen Rechnungstreue.

Online- und Versandhandel von schlechter Zahlungsmoral betroffen

Unter der schlechte Zahlungsmoral leiden laut BDIU-Umfrage vor allem der Online- und Versandhandel. Einige schlechte Kunden legten es darauf an, sich um ihre Zahlungsverpflichtungen herumzudrücken. Als Hauptgrund sieht der Verband die Überschuldung. Drei von vier befragten Unternehmen meldeten das. Laut Creditreform sei jeder zehnte Erwachsene überschuldet. Hinzu kämen unkontrolliertes Konsumverhalten (66 Prozent) sowie vorsätzliches Nichtzahlen (48Prozent). Die Umfrage zeige, dass das vor allem konsumintensive Branchen treffe. Weitere Problembranchen seien das Handwerk (44 Prozent), Betreiber von Fitnessstudios (44 Prozent) und Vermieter (32 Prozent). Kaum Probleme habe dagegen der Groß- und Außenhandel (drei Prozent).

Schwaches Forderungsmanagement bedroht Liquidität

Warum zahlen gewerbliche Schuldner ihre Rechnungen nicht wie vereinbart? Diese Frage beantworteten zwei von drei befragten Unternehmen mit vorübergehendem Liquiditätsengpass. 52 Prozent beobachten hohe Zahlungsausfälle innerhalb der eigenen Kundschaft als Ursache. Verfügt das Unternehmen dann auch nur über
ein schwaches betriebliches Forderungsmanagement, drohen Liquiditätsengpässe, die es ihm erschweren, eigene Zahlungsverpflichtungen rechtzeitig zu erfüllen – der Dominoeffekt bei der Zahlungsmoral.

Fazit: Auch in guten Zeiten können Unternehmen unverschuldet in Zahlungsprobleme geraten. Forderungsmanagement bleibe für jede Firma eine Kernaufgabe, schlussfolgert der BDIU deshalb.