Zahl der Firmenpleiten geht erneut zurück

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist erneut rückläufig. Bei Kleinstfirmen ist das Pleiterisiko jedoch gewachsen.

Dank guter Konjunktur und niedriger Zinsen mussten im ersten Halbjahr dieses Jahres erneut weniger Unternehmen Insolvenz anmelden. Wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mitteilte, sank die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland um 5,9 Prozent auf 10.300 gemessen am Vorjahreszeitraum. Auch die Zahlungsausfälle fielen geringer aus: Während die Gläubiger im vergangenen Jahr noch auf 16,3 Milliarden Euro ihrer Forderungen sitzen blieben, werden es in diesem Jahr voraussichtlich nur 13 Milliarden Euro sein. Ebenfalls zurückgegangen sind die Arbeitsplatzverluste – und zwar von 109.000 auf 99.000. Zu den größten Insolvenzen gehörten die von Solarworld und der Hamburger Großreederei Rickmers.

Zur Begründung der verbesserten Lage hieß es: „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind weiterhin günstig für das Insolvenzgeschehen. Im Zuge der guten Konjunktur in Deutschland verbesserte sich die Ertrags- und Eigenkapitalsituation der Unternehmen. Das führte zu einer höheren Stabilität. Zudem versorgt die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Wirtschaft mit günstiger Liquidität, so dass es seltener zu Finanzierungsengpässen kommt.“

Regionale Unterschiede

Im Rahmen des Insolvenzgeschehens zeichneten sich nicht nur regionale Unterschiede ab – auch die Größe der Firmen spielte eine Rolle. Demnach waren es vor allem kleine Unternehmen, die im ersten Halbjahr 2017 in die Pleite rutschten. Mehr als die Hälfte der von einer Insolvenz betroffenen Unternehmen (52,9 Prozent) habe einen Umsatz von weniger als 250.000 Euro im Jahr erwirtschaftet. Mehr noch: Dieser Anteil sowie auch die absolute Zahl der Fälle hat sich gegenüber dem Vorjahr noch erhöht. Deutlich rückläufig sind hingegen die Insolvenzzahlen vor allem im Mittelstand.

Am wenigsten insolvenzanfällig zeigten sich die Unternehmen in Baden-Württemberg (41 Insolvenzfälle je 10.000 Unternehmen), Bayern (42) und Thüringen (43). Am höchsten war die Gefährdung in Berlin (101 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (90) und Hamburg (89).

Mehr ältere Unternehmen betroffen

Ebenfalls eine Rolle spielte der Markteintritt der Betriebe. So waren mehr ältere Firmen von einer Pleite betroffen als junge, was allerdings mit den rückläufigen Gründungszahlen in den letzten Jahren zu tun hat. 2690 der insolventen Unternehmen waren noch nicht einmal fünf Jahre am Markt. Zum Vergleich: In der Vorjahresperiode wurden noch 3260 Insolvenzen in dieser Altersklasse gezählt. Weiter zunehmend sind hingegen die Insolvenzen von etablierten Unternehmen mit einem Alter von mehr als zehn Jahren. 4490 insolvente Unternehmen gab es in dieser Altersklasse im 1. Halbjahr 2017 (Vorjahr: 4460). Das waren 43,6 Prozent aller Insolvenzen.

Das lebhafte Gründungsgeschehen verstärke den Wettbewerbsdruck und treibe Innovationen voran, beobachten die Analysten. Entsprechend könne es vermehrt zu Marktaustritten kommen. Die Wirkung von neuer Konkurrenz auf die eingesessenen Unternehmen sei aber je nach Branche aber unterschiedlich. „Gesamtwirtschaftlich bedarf es 25 Gründungen, um ein etabliertes Unternehmen in die Insolvenz zu treiben“, hieß es.

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