Welche Wege Unternehmen aus der Krise führen

Eine Studie der Boston Consulting Group (BCG) identifizierte zehn deutsche Unternehmen, denen in der Krise ein guter Kurswechsel gelang. Die Analyse dieser „Comeback Kids“ zeigt Erfolgsfaktoren von Turnarounds. Danach bewährt sich die Kombination aus strategischer Neuausrichtung und Effizienzprogramm.

Kurswechsel in der Krise. Bild: © JiSIGN / fotolia
Kurswechsel in der Krise. Bild: © JiSIGN / fotolia

Gerät eine Firma in Schieflage, muss die richtige Turnaround-Strategie greifen. Zwar gibt es kein Patentrezept. Doch die BCG-Studie zeigt: „Es existieren Hebel, ohne die sich kein Unternehmen aus der Krise heraushieven kann“, so Ralf Moldenhauer von BCG in Deutschland.

Zehn mustergültige Turnarounds im Portrait

Für die Studie „Comeback Kids – die Geheimnisse nachhaltiger Wertschaffung in Unternehmen“ wurden zehn erfolgreiche Turnarounds deutscher Unternehmen untersucht, die den Weg aus der Krise erfolgreich schafften. Dazu gehören der Chemieproduzent Lanxess, Wacker Chemie sowie H&R, der Maschinenbauer Heidelberger Druck, der Leuchtmittelhersteller OSRAM Licht, der Werbeanbieter Stroer, der Elektronikhersteller Siltronic, der Klinikbetreiber MEDICLIN, der Technologiekonzern Rheinmetall und der Automobilzulieferer SGL Carbon. Sie alle haben in den vergangenen sechs Jahren ihre Wege aus der Schieflage eindrucksvoll gemeistert.

Erfolgsfaktoren von Turnarounds: Strategische Neuausrichtung als ersten Schritt

Aber mit welchen Strategien? „Der erste Schritt ist die strategische Neuausrichtung des Unternehmens. Im Anschluss richtet das Management das Portfolio an den neuen Anforderungen des Marktes aus, trennt sich von margenarmen Bereichen oder kauft neue Geschäftsbereiche hinzu. Parallel laufende Effizienzprogramme senken die Kosten“, so Moldenhauer.

Es gibt Wiederaufsteiger und „Gesundschrumpfer“

Die genannten Unternehmen sind laut Studie besonders erfolgreiche Krisenbewältiger, die sich mittlerweile wieder auf stabilem Wachstumskurs befinden. Sechs dieser Firmen sind klassische Rückkehrer: Sie verlagerten ihren Investitionsfokus und konnten nach der Krise Umsatz und Ergebnis wieder steigern. So OSRAM, Ströer und Siltronic. Die anderen schrumpften sich gesund und konnten trotz sinkender Umsätze ihre Ergebnisse verbessern. So trennten sich Lanxess und SGL Carbon von unrentablen Geschäftssegmenten und senkten dazu die Kosten.

„Die Beispiele zeigen: Negative Entwicklungen erfordern eine Neuausrichtung des Unternehmens, um es wieder nachhaltig auf Erfolgskurs zu bringen. Wichtig ist, dass die Entscheider nicht in Schockstarre verharren, sondern sich trauen, die Positionierung und Strategie des Unternehmens kritisch zu hinterfragen und dann hart zusteuern“, sagt Moldenhauer.

Strategien & Erfolgsfaktoren von Turnarounds

Die Studie analysierte fünf typische Strategien, mit denen Unternehmen den Ausweg schafften:

  • Organische Expansion des Kerngeschäfts durch Ausdehnung in neue Märkte und eine Weiterentwicklung des Produktportfolios;
  • Wachstum durch gezielten Zukauf von Unternehmen oder Geschäftsfeldern;
  • Veräußerung von Vermögen, Geschäftsbereichen oder Unternehmensteilen zwecks Kernausrichtung;
  • Ausrichtung des Portfolios auf margenstarke Segmente;
  • Verbesserung der Unternehmenseffizienz durch Kostensenkungsprogramme.

„In der Praxis werden diese Erfolgsstrategien häufig miteinander kombiniert und zahlen aufeinander ein. Desinvestition und Effizienzsteigerungen verschaffen Unternehmen Luft zum Atmen, können aber auch die notwendigen Mittel liefern, um sich in strategisch wichtigen Feldern auszudehnen“, so Studien-Mitautor Georg Beyer von BCG.

Die unterschiedlichen Strategien der „Comeback Kids“ haben laut Studie zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt: Bei den Unternehmen, die sich auf margenstarke Segmente konzentrierten und dort auch zugekauft haben, liegen die Ergebnisse über den besten Jahren vor der Krise, so BCG.