Textilindustrie: Aufwind, Veränderungen, Insolvenzen

Die Textilindustrie wurde in diesem Jahr ordentlich durchgerüttelt. Von Insolvenzen über Restrukturierungen bis hin zu grundlegenden Veränderungen: In allen Spaten, von Discounter bis High-Class-Fashion, konnte ein Einbruch verzeichnet werden. Return listen die letzten drei Fälle der Branche auf.

Veränderungen in der Textilindustrie. Bild: © VRD / Fotolia
Veränderungen in der Textilindustrie. Bild: © VRD / Fotolia

Rettung: Hosenhersteller Gardeur

Der Hosenhersteller Gardeur aus Mönchengladbach wurde nach nur acht Woche nach der Stellung des Insolvenzantrags gerettet. Ein Käufer konnte gefunden werden und der Vertrag wurde bereits am 1. Dezember 2017 unterzeichnet. Geleitet wurde das Insolvenzverfahren von Insolvenzverwalter Dr. Bähr.

Das traditionsreiche Unternehmen Gardeu wurde im Jahr 1920 gegründet und fertigt hochwertige Damen- und Herrenhosen, die vor allem über Kaufhäuser (etwa Karstadt, GALERIA Kaufhof, Globus/Schweiz), Facheinzelhändler und Modehäuser (etwa Breuninger, Wöhrl, Manor/Schweiz) vertrieben werden. Insgesamt beschäftigt Gardeur heute etwa 1.300 Mitarbeiter, davon ca. 1.000 in eigenen Werken in Tunesien, die von der Duijndam-Gruppe ebenfalls übernommen werden. In den letzten Geschäftsjahren erwirtschaftete der Gardeur-Konzern einen konsolidierten Gesamtumsatz zwischen 80 und 90 Mio. Euro. Das Unternehmen gehörte bislang zu 51 Prozent dem Geschäftsführer Gerhard Kränzle, 49 Prozent der Anteile wurden von der NRW.Bank gehalten.

Nun wurde das deutsche Unternehmen von der holländischen, inhabergeführten Duijndam-Gruppe gekauft. Die von Steef Duijndam im Jahr 1982 in Rotterdam gegründete Duijndam-Gruppe ist seit über 30 Jahren im Bereich Handel/Retail, Sport und Textilien international tätig. Nach dem Verkauf seines weltweit tätigen Reitsportbekleidungsunternehmens hat Steef Duijndam u. a. Marken wie HV Polo, HV Society, Imperial Riding und Easy Rider entwickelt. Am Niederrhein wurde die Gruppe zuletzt vor etwa zehn Jahren bekannt, als in Mönchengladbach die damals angeschlagene Reitsportmarke Euro-Star erfolgreich wiederbelebt werden konnte.

Steef Duijndam sagt: „Ich freue mich, mit dem Erwerb von Gardeur die Chance zu verwirklichen, eine der bekanntesten und renommiertesten Textilmarken Deutschlands aus einer schwierigen Situation heraus zu restrukturieren und mittelfristig weiter zu entwickeln, indem wir sie am Markt ausbauen werden. Ich habe mich in den vergangenen Wochen von Konzept, Prozessen und insbesondere dem Engagement der Mitarbeiter und des Managements um CEO Gerhard Kränzle überzeugt und glaube daran, gemeinsam die Marke zu neuer Stärke führen zu können. In den kommenden Tagen werde ich unsere Vorstellungen und Pläne zunächst unseren großen Kunden persönlich vorstellen, um ihr Vertrauen in die Zukunft der Marke schnellstmöglich wieder zu gewinnen.“

Dr. Bähr ergänzt: „Die letzten Wochen haben wir sehr hart an einer Sanierungslösung gearbeitet. Umso mehr freue ich mich, mit der Duijndam-Gruppe einen strategischen Investor gefunden zu haben, der nicht nur hervorragende Erfahrungen und Kontakte aus der Textilbranche, sondern auch eine langfristige Vision für das Traditionsunternehmen Gardeur und den Standort Mönchengladbach mitbringt. Die weitaus meisten Arbeitsplätze können durch den Einstieg der Duijndam-Gruppe erhalten bleiben.“

Restrukturierung: C & A

Das mittlerweile international tätige Unternehmen macht das wahr, was es bereits im Februar angekündigt hat: grundlegende Veränderungen und modernisierende Maßnahmen umsetzen, um geringeren Umsätzen entgegenzuwirken.

Bisher steht fest, dass 13 der 160 französischen Filialen geschlossen werden. Wann das passieren wird, ist bisher unklar, jedoch werden die knapp 100 Mitarbeitet von den neuen Betreibern Chaussea und Stokomani übernommen werden. Auch der Rückzug aus Russland soll nun realisiert werden. Bisher wurde C & A dort von einem Franchisenehmer, der russischen Handelsgruppe RTG betrieben. Das Franchisemodell wird jedoch gänzlich gestrichen.

Im Zuge der Modernisierung will C & A 1 Milliarde Euro in die Neugestaltung der Einzelhandelskette stecken. Im Zuge dessen werden beispielsweise die Unternehmenszentralen Düsseldorf und Vilvoord in Belgien grundlegend restrukturiert: flexiblere und kosteneffektivere Unternehmensstrukturen sollen hier umgesetzt werden.

Weitere Änderungen wird die Schließung des Distributions- und Logistikzentrum in Enns in Österreich und die Eröffnung eines neuen Logistikzentrums im slowakischen Trnava sein. Dazu kommt, dass auch das Schuhgeschäft komplett eingestellt wird.

Durchgeführt werden die meisten Restrukturierungsmaßnahmen von der neuen Führungsspitze Mohamed Bouyaala, der ab 1. Januar 2018 als Director of Country Germany das Unternehmen weiter vorantreiben wird.

Insolvenz: Traditionsunternehmen BiBA

Das Traditionsunternehmen, das im Jahr 1963 gegründet wurde ist insolvent. Eine Sanierung war eigentlich geplant, ist jedoch am schlechten Marktumfeld und an mangelnder Bereitschaft der Mitarbeiter, auf Gehalt zu verzichten, gescheitert, sagt der zum Insolvenzverwalter bestellte Düsseldorfer Rechtsanwalt Georg F. Kreplin.

Eine Tradition geht zu Ende: Das Gelsenkirchener Unternehmen BiBA, 1963 in Duisburg gegründet, stellt zum Ende des Jahres seinen Geschäftsbetrieb ein. Das bestätigt der Düsseldorfer Rechtsanwalt Georg F. Kreplin aus der Kanzlei Kreplin & Partner, der vom Amtsgericht Essen zum Insolvenzverwalter bestellt worden ist. „Auf der Gläubigerversammlung am Montag, 4. Dezember, wurde die Einstellung des Geschäftsbetriebes bestätigt. Das hat die Kündigung aller rund 480 Mitarbeiter zur Folge, ebenso die Schließung aller etwa 130 BiBA-Shops. Diese bleiben noch für einen Ausverkauf bis Ende des Jahres geöffnet“, sagt Georg Kreplin.

BiBA war in einem allgemein schwierigen Umfeld im Textileinzelhandel in eine wirtschaftliche Krise geraten. Gerade durch den Anstieg des Online-Handels ist es für Unternehmen wie BiBA besonders schwierig noch weiterhin zu bestehen. Hohe Kosten, Viele Mitarbeiter und teure Einzelhandelsflächen stellen nur einige der Herausforderungen dar.

Auch eine Sanierung in Eigenverwaltung habe nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Georg Kreplin hatte in dem Verfahren bereits als Sachwalter fungiert. „Die schlechte Lage im Handel hat letztlich alle Sanierungsbemühungen im Keim erstickt, aber auch die fehlende Bereitschaft der größtenteils tariflich gebundenen Mitarbeiter, Lohnkürzungen hinzunehmen, hat die Situation nicht vereinfacht.“

Georg Kreplin bedauert die Schließung des Unternehmens natürlich. „Mehr als 50 Jahre stand BiBA für gehobene Damenoberbekleidung. Diese Handelstradition ist jetzt beendet, aber wir hatten keine andere Möglichkeit. Weder die betriebswirtschaftliche Situation des Unternehmens noch die Aussichten im stationären Handel haben für eine Fortführung gesprochen.“ Er habe alles daran gesetzt, noch eine Lösung für das insolvente Unternehmen zu finden; ganz so, wie er es als sanierungsaffiner Insolvenzverwalter regelmäßig tut.