Start-ups sammeln Rekordsumme ein

Gute Ideen von Jungunternehmen zahlen sich aus. Bild: © turgaygundogdu / Fotolia

Immer mehr Investoren vertrauen ihr Geld Deutschlands Start-ups an: Die Investitionen haben sich mehr als verdoppelt.

Deutsche Start-ups haben im ersten Halbjahr so viel Risikokapital angelockt wie noch nie. In 264 Finanzierungsrunden sammelten sie insgesamt 2,16 Milliarden Euro ein – im Vorjahreszeitraum waren es lediglich 972 Millionen Euro. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung EY hervor. Damit wurde der bisherige Rekordwert von 2015 übertroffen: Damals flossen in den ersten sechs Monaten insgesamt 1,95 Milliarden Euro an die Jungunternehmen. Mehr Geld floss vor allem in die Bereiche E-Commerce,  Fintechs und Health.

Berlin verteidigte seinen Titel als Start-up-Hauptstadt: Sie vereinte Investitionen von knapp 1,5 Milliarden Euro auf sich, was mehr als zwei Drittel des gesamten Volumens entspricht. Dahinter folgen mit großem Abstand Bayern (215 Millionen Euro) und Hamburg (181). „Berlin konnte seinen Vorsprung im ersten Halbjahr zwar ausbauen“, sagte EY-Experte Peter Lennartz. „Aber auch die Standorte Bayern, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und zunehmend auch Hessen arbeiten mit Erfolg an ihrer Sichtbarkeit und ihrem Profil.“

Steuerliche Verechnung von Fehlinvestitionen gefordert

Ausschlaggebend für den starken Anstieg des Investitionsvolumens waren vor allem zwei große Deals. So stieg der südafrikanische Investor Naspers mit 387 Millionen Euro bei dem inzwischen börsennotierten Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero ein, während der Berliner Auto-Großhändler Auto1 360 Millionen Euro von Investoren bekam. „Es gab im ersten Halbjahr 138 Finanzierungsrunden zwischen ein und fünf Millionen Euro“, sagte EY-Experte Peter Lennartz. „Damit stehen die Chancen gut, dass es auch in Zukunft eine größere Zahl von Jungunternehmen gibt, die das Potenzial haben, sich zu großen und erfolgreichen Mittelständlern oder gar zu sogenannten Einhörnern zu entwickeln, von denen es in Deutschland bislang nur wenige gibt.“ So werden Start-ups bezeichnet, die mindestens eine Milliarde Dollar wert sind.

Nachholbedarf sieht Lennartz aber trotz der guten Entwicklung im ersten Halbjahr – und zwar vor allem bei den Rahmenbedingungen für Jungunternehmen: „Die geringen Möglichkeiten der steuerlichen Verrechnung von Verlusten aus fehlgeschlagenen Investitionen sind ein Nachteil des Start-up-Standorts Deutschland im Wettbewerb mit anderen Regionen. Hinzu kommen die nach wie vor hohe bürokratische Hürden und hohe Gründungskosten, die Deutschland im internationalen Vergleich wenig attraktiv machen.“