Spielregeln der Finanzierung ändern sich gravierend

Das Finanzierungsumfeld wandelt sich. Oft unbemerkt aber gravierend. Auslöser sind die Digitalisierung sowie schärfere Bonitätsprüfungen durch die Banken. Das wird vor allem die Gesellschafterebene treffen: Gerade in Familienunternehmen wird es darauf ankommen, den richtigen Finanzmix zu treffen, um strategische Freiheitsgrade zu sichern. Dabei spielt insbesondere der Aufbau von liquidem Eigenkapital eine wichtige Rolle.

Kredit und Bank als Eintrag im Terminkalender Usage: Journal Inside 35824_069_001 (2017) Publikationsname / Publikationsnummer / E-Tag TT.MM.JJJJ (optional) *** Local Caption *** © Wolfilser / Fotolia
Die Regeln der Finanzierung wandeln sich. Bild: © Wolfilser / Fotolia

Diese Aussagen macht die aktuelle Studie „Finanzentscheidungen von Familienunternehmen: Zwischen Wachstumschancen, Digitalisierung und Kapitalausbau“ der Managementberatung Dr. Wieselhuber & Partner GmbH (W&P). Die Untersuchung beruht auf der schriftlichen und mündlichen Befragung von knapp 140 Entscheidern in Familienunternehmen sowie 190 Finanzierer aus Banken und Sparkassen.

Für jedes zweite Familienunternehmen ist die digitale Transformation der stärkste Motor der Veränderungen mit Blick auf künftige Finanzierungen. Die befragten Mittelständler gehen von merklichen Effekten für den Cashflow und den Finanzierungsbedarf aus. Die andere Hälfte unterschätzt laut Studie die Folgen der Digitalisierung auf das eigene Geschäft – und damit auch auf die Finanzierungserfordernisse.

Gute Eigenkapitalquote in der Bilanz kein Garant für Liquidität

42 Prozent der befragten Entscheider erwarten, dass der Zugang zum klassischen Fremdkapital schwerer wird „aufgrund der zunehmenden Regulierung der Banken und der damit einhergehenden Verschärfung der Bonitätsanforderungen“, so die W&P-Studie. Für ein gutes Drittel (37 Prozent) der Befragten steigt somit die Bedeutung der Liquiditätsallokation außerhalb des operativen Geschäfts als Risikovorsorge – zum Beispiel auf Holding- oder Privatebene. Damit setzt sich laut Studie die Meinung durch: Gute Eigenkapitalquoten in der Bilanz, die auf über 30 Prozent gestiegen sind, lassen noch lange nicht darauf schließen, dass die Gesellschafter flüssig sind.

Ein gutes Drittel der Befragten erwartet, dass der Anteil klassischer Fremdkapitalfinanzierung durch Banken und Sparkassen in ihrer Bilanz sinken wird. Die Lücke werde durch FinTechs (47 Prozent) und den Kapitalmarkt (44 Prozent) geschlossen. Die befragten Bankenvertreter sehen das anders: Aus ihrer Sicht unterschätzen die Familienunternehmen insbesondere die Rolle der FinTechs (plus 28 Prozent) und die Auswirkungen der Digitalisierung (plus 9 Prozent). Aus ihrer Sicht besteht für Familienunternehmen zukünftig eine höhere Erfordernis zur externen Stärkung des Eigenkapitals über einen Mix aus Eigen- und Fremdkapital (mezzanine Instrumente plus 12 Prozent) oder Eigenkapital, das von privaten Anlegern kommt (Private Equity plus 9 Prozent).

Achtung: Euro und Zinsniveau werden wieder stärker

Fazit der W&P Studie: Familienunternehmen laufen Gefahr, die veränderten Spielregeln der Finanzierung zu unterschätzen. Denn diese wandeln sich unbemerkt aber gravierend. Auch haben Unternehmen verlernt, dass die Konjunktur zyklisch verläuft – Euro und Zinsniveau werden wieder stärker.

Ein ausgewogener Finanzierungsmix sollte in den familiären und gesellschaftsrechtlichen Rahmen des Unternehmens passen. Dieser wird gesteckt durch das Geschäftsmodell und die Entwicklungsphase; hier sollten Faktoren wie Wachstum, Nachfolge, Krise etc.) berücksichtigt werden. Ein solch ausgewogener Finanzmix wird immer wichtiger, um die strategischen Freiheitsgrade des Unternehmens zu erhalten. Zukünftig sollten sich Gesellschafter deshalb wie externe Investoren verhalten. Der Aufbau von liquidem Eigenkapital außerhalb des operativen Geschäftes ist für W&P der Dreh- und Angelpunkt einer „Finanzierung 2020“.

Hinweis: Mit der Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner starten wir ab Ausgabe „return 01/18“ eine neue Reihe zu Themen rund um die strategische und betriebswirtschaftliche Finanzierung in Unternehmen. Der Fokus wird dabei auf dem Mittelstand liegen. Als Gastfachautor schreibt Managing Partner Dr. Emmrich, der den Geschäftsbereich „Restructuring & Finance“ verantwortet – insbesondere für Familienunternehmen.