Spezialbauer SFL stürzt in Finanzkrise

Die Geschäfte liefen gut, das Unternehmen war gesund. Doch jetzt stürzte der Streit mit einem großen Auftraggeber den österreichischen Fassaden-Spezialisten SFL Technologies GmbH in die Krise: Weil dieser unerwartet 16,7 Mio. Euro einbehielt, musste SFL in Stallhofen Insolvenz anmelden. Ein Sanierungsverfahren soll das Unternehmen retten. Betroffen sind 186 Mitarbeiter und 330 Gläubiger.

Auch ein Kunde des Fassadenspezialisten: die Allianz. Bild: © dpa
Auch ein Kunde des Fassadenspezialisten: die Allianz. Bild: © dpa

Das Kürzel SFL stand bisher für eine Erfolgsgeschichte. Die heutige Unternehmensgruppe entstand 2002 aus einem einfachen Schlosserbetrieb. Rasant entwickelte sich die Firma zu einem innovativen Industrieunternehmen. SFL plante und baute u. a. Produkte aus den Bereichen Anlagen-, Maschinen und Stahlbau sowie Fassaden, Licht- und Energietechnik. Zu den Referenzen gehören die Mitarbeit an der Murinsel in Graz sowie der 172 Meter hohe Allianz-Tower in Frankfurt/Main mit seiner stadtbildprägenden Skyline. Auch das Geschäftsjahr 2017 stand im Zeichen eines Prestige-Projekts. Doch dabei stolperte SFL in die Finanzkrise.

186 Mitarbeiter bekamen im Oktober kein Gehalt

Wiener Belvedere heißt der neue Wiener Stadtteil unweit der Innenstadt. Dabei handelt es sich um eines der größten Stadtentwicklungsgebiete Europas: Büros und Hotels entstehen, ebenso Luxuswohnungen, Gastronomie, Schulen, Parks und vieles mehr. Hier wurde SFL von der Signa-Gruppe mit dem Bau von Alu-, Stahl- und Glasfassaden beauftragt, wie die „Kleine Zeitung“ mit Berufung auf den Alpenländische Kreditorenverband (AKV) und den Kreditschutzverband von 1870 (KSV) berichtete. Volumen: gut 30 Mio. Euro. Doch dann kam es zum Streit zwischen den Geschäftspartnern. Der genaue Hintergrund ist unklar. Die Signa-Gruppe soll unberechtigt von einem Vertrag zurückgetreten sein; Zahlungsausfall von mehr als 16 Mio. Euro seien die Folge gewesen, berichtet „Die Presse“ über den SFL-Vorwurf. Die beschuldigte Signa-Gruppe hingegen schweigt mit Verweis auf das ausstehende Gerichtsverfahren. Wie auch immer: Der Zahlungsausfall stürzte SFL in die Finanzkrise: Der erfolgreiche Fassaden-Spezialist meldete beim Landesgericht Graz Insolvenz an. Die 186 Mitarbeiter sollen schon für Oktober kein Geld mehr bekommen haben, berichtet „Der Standard“. Der Arbeitsmarktservice (AMS) wurde wegen des Falls eingeschaltet.

330 Gläubiger können auf 20 Prozent hoffen

Der Fassaden-Spezialist SFL sieht sich nicht am Ende. Er strebt eine Fortführung an. Das Problem: Die aktuelle Liquiditätskrise erschwert es dem Unternehmen, weitere 17 laufende Projekte zu finanzieren. Die Überschuldung soll nach Creditreform-Angaben rund 83 Mio. Euro betragen, berichten Medien übereinstimmend. Über ein Sanierungsverfahren soll den 330 Gläubigern nun eine Mindestquote von 20 Prozent angeboten werden – zahlbar binnen zwei Jahren. Rationalisierungsmaßnahmen scheinen unausweichlich, Entlassungen möglich.

Fassaden-Spezialist galt bisher als liquide

Die plötzliche SFL-Insolvenz schreckte nicht nur Finanzexperten auf. Denn das Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von gut 27 Prozent galt als gesund und liquide. Nach KSV-Angaben erwirtschaftete der Fassaden-Spezialist von 2014 bis 2016 zwischen 35 Millionen und 52 Millionen Euro. Auch Landespolitiker meldeten sich zu Wort. Landeshauptmann-Vize Michael Schickhofer (SPÖ) und Soziallandesrätin Doris Kampus sagten jenen Beschäftigten Hilfe zu, die ihren Job verlieren. Mit dem AMS werde man „alles Menschenmögliche unternehmen, dass die von einer Kündigung betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so rasch wie möglich wieder Arbeit in der Region finden“, zitiert die „Kleine Zeitung“.

Chancen auf eine Fortführung des Unternehmens signalisierte inzwischen Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP): Ihr Wirtschaftsressorts werde SFL dabei nach Kräften unterstützen. Den Streit zwischen SFL und der Signa-Gruppe wird demnächst ein Gericht beschäftigen.