Schiffsanlagenbauer Noske-Kaeser wieder auf Kurs

Es ist vollbracht: Das vielleicht bekannteste Unternehmen für Klimatechnik und Brandschutz auf Schiffen aller Art ist gerettet. Fast zehn Jahre nach Insolvenz-Antrag nimmt die Noske-Kaeser GmbH wieder Kurs auf Erfolg. Der französische Mitbewerber Engie Axima, eine Engie-Tochter, übernahm das Hamburger Traditionsunternehmen.

Noske-Kaeser stattete in der Insolvenz-Phase auch drei Aida-Kreuzfahrtschiffe aus. Foto: © Bernd Wüstneck / dpa

Ob Marineschiffe, Handels- und Sonderschiffe, Passagierschiffe und Megayachten oder Offshore-Plattformen: Noske-Kaeser gilt seit mehr als 135 Jahren als Anbieter innovativer Lösungen für die Schiffbau- und Offshore-Industrie. Das Unternehmen produzierte Spitzentechnik u. a. in den Bereichen Klima und Lüftung, Kälte, Feuerlöschtechnik und Rohrleitung. Doch die Krise in der maritimen Wirtschaft, aber auch Managementfehler, zwangen den Betrieb in die Insolvenz. Das war 2008.

Insolvenzverwalter kann nach zehn Jahren die Akte schließen

Fast zehn Jahre dauert es, bis der Hamburger Insolvenzverwalter Jan Wilhelm die Akte schließen kann. Wohl auch seiner Beharrlichkeit und treuen Kunden hat es das Unternehmen zu verdanken, dass es nicht von einem Finanzinvestor filetiert wurde. Kurz vor Weihnachten dann die gute Nachricht: Das Unternehmen mit seinen 210 Mitarbeitern hat einen neuen Eigentümer. Der französische Mitbewerber Engie Axima, eine Tochterfirma des französischen Mischkonzerns Engie, kauft Noske-Kaeser. Damit endet für den Hamburger Betrieb eine lange Leidenszeit.

Kunden hielten dem Traditionsunternehmen die Stange

Fast zehn Jahre brauchte Jan Wilhelm, das Unternehmen guten Gewissens in neue Hände zu übergeben. „In erster Linie ging es darum, den Betrieb aufrechtzuerhalten“, zitiert das Hamburger Abendblatt den Insolvenzverwalter vor wenigen Tagen. „Schon das war schwierig genug.“ Denn Bankkredite für das insolvente Unternehmen gab es nicht. Geschäftsführer Jürgen Matthes ergänzte: „Unser großes Glück war, dass uns die Kunden die Stange gehalten haben.“ Dabei half, dass Noske-Kaeser in der Branche einen guten Namen hat.

In Sturm geriet das Unternehmen 2007. Vor gut zehn Jahren verkaufte der Blohm+Voss-Mutterkonzern Thyssenkrupp die Noske-Kaeser GmbH an den Titan Hunter. Der neuseeländische Finanzinvestor wechselte die Geschäftsführung aus und zerlegte das Unternehmen. „Die Fertigung wurde ausgelagert, Neubau und Service voneinander getrennt. In der Folge sanken die Umsätze. Hinzu kam die Schifffahrtskrise und schließlich die Insolvenz“, so das Hamburger Abendblatt.

Noske-Kaeser stattete auch zwei Aida-Kreuzfahrtschiffe aus

Doch das Geschäft lief weiter. Dank eines Auftrags der Meyer-Werft in Papenburg: drei Aida-Kreuzfahrtschiffe stattete Noske-Kaeser mit Klima- und Lüftungsanlagen aus. Weitere Aufträge kamen hinzu, weil die Hamburger seit 2010 auch ins Offshoregeschäft eingestiegen waren. 2011 wurde eine Service-Plattform im Meer klimatisiert; auch in Indien, Australien sowie in der Türkei erhielt die Firma ausreichend Aufträge im Marineschiffbau. Der Jahresumsatz wuchs zwar auf mehr als 40 Millionen Euro, ein Käufer als strategischer Investor war aber immer noch nicht in Sicht.

Doch Insolvenzverwalter Wilhelm bewies langen Atem. Er glaubte an das Knowhow, die Innovationskraft und damit an die Zukunft des Unternehmens. Dennoch dauerte es gut neun Jahre, bis mit Engie Axima endlich ein Käufer zuschlug. Zuvor hatte im November 2017 die Wettbewerbsbehörde zugestimmt. „Unsere Unternehmen ergänzen sich wunderbar“, so Philippe Le Berre, Chef der Sparte Schifffahrt, Öl und Gas bei Engie Axima. „Es gibt kaum Überschneidungen. Mit dem Geschäft stärken wir unsere Position auf dem Schiffbaumarkt für Kreuzfahrtschiffe, Fähren und Marineschiffe.“

Noske-Kaeser blickt auf ruhige und stürmische Zeiten zurück

Das Unternehmen mit Sitz in Paris verpflichtete sich, die Mitarbeiter von Noske-Kaeser, deren Verträge mit allen Rechten sowie mit zusätzlichen Pensionsverpflichtungen zu übernehmen. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart.

Noske-Kaeser hat in 135 Jahren internationale Wirtschafts- und politische Krisen miterlebt und überlebt. Auch die seit 2008 währende Schifffahrtskrise hat das Unternehmen nicht verschont. Doch mit Besinnung auf die eigenen Stärken und einer umfassenden Restrukturierung ist das Traditionshaus heute wieder auf Erfolgskurs.

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