Populismus und Protektionismus als Gefahr für Firmen

Die geopolitisch schwierige Lage stellt Unternehmer zunehmend vor wachsende Herausforderungen. Manager reagieren.

Populistische Wirtschaftspolitik und Protektionismus werden für Unternehmen zur Bedrohung. Glaubt man deutschen Managern, so wird sich das in naher Zukunft auch nicht ändern. Im Gegenteil: Zwei Drittel der Finanzchefs (CFO) gehen sogar davon aus, dass der Protektionismus weiter zunimmt. Immerhin 60 Prozent fürchten mehr populistisch motivierte Wirtschaftspolitik in wichtigen Märkten. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Deloitte-Befragung.

Wie nervös die aktuelle weltpolitische Lage manche Unternehmer macht, zeigt die Studie deutlich. Demnach hat die Einschätzung der Unsicherheit unter den CFOs einen der höchsten Werte in den letzten fünf Jahren erreicht. Bedroht fühlen sich verschiedenste Branchen – darunter der Maschinenbau, Tech-Sektor, Banken, Immobilienfirmen und Konsumgüterhersteller.

Paradigmenwechsel in deutschen Führungsetagen

Tatenlos zusehen wollen viele Geschäftsführer nun aber nicht mehr. Vor allem Banken unterziehen ihre Investitionspläne einer scharfen Revision, während Konsumgüterunternehmen ihre Lieferketten genauer unter die Lupe nehmen. „Branchenübergreifend kommt dem politischen Risikomanagement und der Integration politischer Risiken in die strategische Planung künftig ein deutlich höherer Stellenwert zu“, bilanzieren die Studien-Autoren. Mehr noch: Konzerne gehen zunehmend zum Angriff über. Immerhin 41 Prozent der Befragten gaben am, die Unsicherheit frontal angehen zu wollen – und damit erstmals deutlich mehr als jenes knappe Drittel, das lieber weiterhin defensiv agieren möchte.

„Hier deutet sich ein Paradigmenwechsel in deutschen Führungsetagen an. Die Unternehmen zeigen wieder mehr strategische Risikofreude und setzen dabei vor allem auf Innovationen“, so das Fazit der Wissenschaftler. Noch vor einem Jahr hatte sich nur die Hälfte der Befragten betont innovationsfreudig gezeigt. Heute sind es zwei Drittel, darunter insbesondere Vertreter der Konsumgüterindustrie und des Maschinenbaus. Glaubt man Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte, so ist das genau der richtige Weg: „Die geopolitisch schwierige Lage erfordert ein aktives Management der politischen Risiken, um das Wachstum krisenfest zu machen“, erklärt er.

Immerhin eine gute Nachricht gibt es: Im Hinblick auf die Eurozone zeichnet sich nach Ansicht der befragten Finanzchefs Entspannung ab. Nur sieben Prozent befürchten noch ein mögliches Auseinanderbrechen.

Bild: Evan Vucci / AP / dpa / picture, Text: Christin Otto