Insolvenzen von Unternehmen auf historischem Tiefstand

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sank 2017 auf einen historischen Tiefstand. Creditreform registrierte für das alte Jahr 20.200 Fälle. Das sind 6,3 Prozent weniger als im Vorjahr.

Bei über 20.000 Unternehmen ging’s 2017 bedrohlich bergab. Die meisten aus den Bereichen Handel und Dienstleistungen. Foto: Fotolia

Air Berlin, Beate Uhse, Solarworld – einige Firmeninsolvenzen sorgten 2017 für Schlagzeilen. Tatsächlich war die Zahl der Firmenpleiten seit 23 Jahren noch nie so gering. Eine geringere Zahl an Unternehmensinsolvenzen als im vergangenen Jahr „wurde zuletzt im Jahr 1994 registriert (18.820) – damals noch unter der alten Konkursordnung. Im Vergleich zum bisherigen Höchststand der Unternehmensinsolvenzen (2003: 39.470) haben sich die Fallzahlen aktuell fast halbiert“, teilte die Wirtschaftsforschung Creditreform zum Jahreswechsel mit.

Gute Wirtschaftslage lässt die Zahl der Firmenpleiten sinken

Als Gründe für die Entwicklung nennt Creditreform „die günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“. Dazu gehörten niedrigere Arbeitslosigkeit und tendenziell gestiegene Einkommen. Aber auch niedrigere finanzielle Belastungen für Kreditnehmer durch preiswerte Finanzierungen und Umschuldungen als in den Vorjahren wirkten sich positiv aus. Creditreform weiter: „Die Unternehmen profitieren von allem von der kräftigen Binnennachfrage und melden in der Breite guten Wirtschaftsdaten.“

Geschätzte zehn Prozent weniger Personalschäden als 2016

Die Insolvenz eines Unternehmens führt häufig zum Verlust von Arbeitsplätzen – nämlich bei der betroffenen Firma selbst als auch bei Zulieferern und Dienstleistern. Auch im Vorfeld der Insolvenz werden oftmals Jobs abgebaut. Creditreform schätzt: Im vergangenen Jahr fielen durch Unternehmensinsolvenzen etwa 198.000 Arbeitsplätze weg oder sind bedroht. Damit lagen diese Personalschäden um knapp zehn Prozent niedriger als im Vorjahr (221.000 Jobs). Den größten Anteil mit nahezu drei Viertel an der Zahl der betroffenen Arbeitsplätze haben Kapitalgesellschaften, da sie meist deutlich größer sind und eine Insolvenz hier entsprechend größere Schäden verursacht.

Die Schäden durch Insolvenzen bei Unternehmen schätzt Creditreform auf 26,6 Mrd. Euro. Damit lag die Schadenssumme knapp unter dem Vorjahreswert von 27,5 Mrd. Euro. Auf fast eine Million Euro beläuft sich die mittlere Schadenssumme je Insolvenzfall allein für die privaten Insolvenzgläubiger.

Kleine Unternehmen am häufigsten von Insolvenzen betroffen

Erneut fiel wieder das Gros der Insolvenzen in die kleinste Größenklasse: 82,7 Prozent der insolventen Unternehmen hatten maximal fünf Beschäftigte. Im Vorjahr waren es 81,9 Prozent. Nach Jahresumsatz finden sich die Rückgänge vor allem im Mittelstand – konkret in den Umsatzgrößenklassen fünf bis 25 Mio. Euro bzw. 25 bis 50 Mio. Euro. Bei den Großunternehmen traf es vor allem die Kategorie „mehr als 50 Mio. Euro Jahresumsatz“, in der es mehr Insolvenzen gab.

Die meisten Insolvenzen in Handel und Dienstleistung

Welche Branchen und Bereiche waren 2017 besonders betroffen? Mehr als drei Viertel aller Insolvenzen (77,8 Prozent) stammt aus dem Handel oder dem Dienstleistungsgewerbe (Vorjahr: 76,1 Prozent). Allerdings: Auch im Handel (minus 4,7 Prozent) und im Dienstleistungsgewerbe (minus 4,3 Prozent) gingen die Zahlen laut Creditreform absolut gesehen zurück.

Gesamtwirtschaftlich kommen auf 10.000 Bestandsunternehmen 62 Insolvenzen (Insolvenzquote). Am geringsten ist die Insolvenzquote im Verarbeitenden Gewerbe (2017: 35), am höchsten im Baugewerbe (2017: 83).

Auch noch Bundesländern lassen sich deutliche Unterschiede festmachen. Berlin (93), Nordrhein-Westfalen (90) und Schleswig-Holstein (82) führen die Tabelle an; die niedrigsten Insolvenzquoten finden sich in Baden-Württemberg (38) und Bayern sowie Thüringen und Brandenburg (jeweils 43).

Hier finden Sie den ausführlichen Überblick: Insolvenzen in Deutschland 2017