Küchenhersteller Alno meldet Insolvenz an

Lange hatte das Unternehmen gegen die Krise gekämpft – nun ist der zweitgrößte deutsche Küchenhersteller pleite.

Nach vielen verlustreichen Jahren und langem Kampf gegen die Krise hat der zweitgrößte deutsche Küchenhersteller Alno Insolvenz angemeldet. Alno und die westfälische Tochter Gustav Wellmann seien zahlungsunfähig, nachdem die Verhandlungen mit potenziellen Investoren und Gläubigern gescheitert seien, teilte das Unternehmen mit, das nun eine Insolvenz in Eigenverwaltung plant. Darüber muss nun aber zunächst das zuständige Amtsgericht Hechingen entscheiden. Die übrigen in- und ausländischen Tochtergesellschaften einschließlich der Pino Küchen GmbH seien nicht betroffen. Der Geschäftsbetrieb laufe unverändert weiter, teilte Alno weiter mit.

Den Anfang des Jahres eingeschlagenen Sanierungskurs unter der Leitung des im Mai eingesetzten Vorstandschefs Christian Brenner will der Konzern fortsetzen. Der Großaktionär Tahoe, der seit Jahresbeginn das Sagen bei der Alno AG hat, stützt den Kurs und sieht den Sanierungsplan als Chance. „Die Tahoe Investors GmbH hat die Alno AG durch diverse Sanierungsdarlehen in den vergangenen Monaten massiv finanziell unterstützt und ist bereit, im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten ihren Beitrag zum Fortbestehen des Unternehmens zu leisten“, hieß es in einer Mitteilung.

Sanierungsstau und Altlasten

Der rund 2100 Mitarbeiter zählende Alno-Konzern gilt seit Jahren als Sanierungsfall und ist hoch verschuldet. Anfang des Jahres war der Abbau von 350 Stellen beschlossen worden, was die Firma 2017 operativ in die Gewinnzone führen sollte.

Obwohl in den vergangenen Monaten weitere Restrukturierungsmaßnahmen umgesetzt wurden und sich das operative Ergebnis laut Tahoe verbesserte, habe dies nicht gereicht, um den Sanierungsstau und die finanzielle Belastung aus Altlasten der vergangenen zehn Jahre zu kompensieren. „Ziel der geplanten Sanierung in Eigenverwaltung muss vor allem sein, die Alno AG finanziell, bilanziell und operativ nachhaltig zu stabilisieren“, so Tahoe weiter.

Aktie rutscht ab

Alno hatte im ersten Halbjahr 2016bei 243,4 Millionen Euro Umsatz einen Nettoverlust von 27,7 Millionen Euro erwirtschaftet. Seit dem Börsengang im Jahr 1995 hat der Konzern in den meisten Jahren rote Zahlen geschrieben. Den Jahresabschluss für 2016 hatte der Küchenhersteller mehrfach verschoben, was von Experten als Alarmzeichen gewertet wurde.

Die Verunsicherung führte unter anderem dazu, dass die Anleihen in den letzten Monaten kräftig eingebrochen waren – von Kursen über 55 Prozent im Mai auf jetzt nur noch 28 Prozent. Nach der Insolvenzmeldung am heutigen Mittwoch rutschte die Alno-Aktie erneut in die Tiefe. Sie verlor im frühen Handel rund ein Drittel auf 16 Cent. Zu Glanzzeiten war das Papier mehr als zehn Euro wert.