Insolvenzen führen zu hohen Schäden

Die Entwicklung der Insolvenzen in Deutschland ist positiv, wenn man allein die Anzahl der durchgeführten Insolvenzverfahren betrachtet. Einzig die Schäden, die dadurch verursacht werden, bleiben groß.

Insolvenzschäden steigen an. Bild: © Markus Bormann / fotolia.com
Insolvenzschäden steigen an. Bild: © Markus Bormann / fotolia.com

Die Insolvenzen von Unternehmen und Verbrauchern in Deutschland gehen weiter zurück. Wie die Auskunftei Creditreform vor Kurzem mitteilte, gab es im ersten Halbjahr dieses Jahres 10.300 Firmeninsolvenzen, das waren 5,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Verbraucherinsolvenzen gingen sogar um 7,5 Prozent zurück, auf 36.300 zwischen Januar und Juni. Werden „sonstige Insolvenzen“ mit einberechnet, lag der Rückgang bei 5,1 Prozent.

Unternehmensinsolvenzen in Deutschland haben Gesamtschaden von 27,5 Milliarden Euro

Nachdem bereits im Juni 2017 feststand, dass in diesem Jahr die Zahlen der Insolvenzfälle deutlich abnehmen wird, ist nun auch klar, dass sich die Schäden, die diese Insolvenzen verursachen deutlich reduzieren. In den Monaten Januar bis Juni wurden 10.300 Unternehmensinsolvenzen und 36.300 Verbraucherinsolvenzen gezählt. Dabei verringerte sich die Zahl der Verbraucherinsolvenzen (minus 7,5 Prozent) etwas stärker als die Zahl der Unternehmensinsolvenzen (minus 5,9 Prozent). Insgesamt wurden 58.900 Insolvenzen registriert (darunter auch „sonstige Insolvenzen“). Das waren 5,1 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode (1. Halbjahr 2016: 62.060). Für das Jahr 2016 ist bei den Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ein Gesamtschaden von 27,5 Milliarden Euro zu beziffern. Das bedeutet: Im einzelnen Insolvenzfall kommt es zu Forderungsverlusten von im Durchschnitt fast 1,3 Millionen Euro.

Rückgang der Existenzgründungen führt zu weniger Insolvenzen

In den letzten Jahren ist das Gründertum stark zurückgegangen. Allein im Vergleich zum Jahr 1996 wurden in diesem Jahr 100.000 weniger Existenzgründungen verzeichnet. Da junge UnternehmerInnen häufig Opfer von Insolvenzen werden, ist dies klar ein Faktor, der sich auch auf die Anzahl der Insolvenzanmeldungen niederschlägt.

Gläubiger erzielten nur wenige Forderungen

Erst kürzlich hat das Statistische Bundesamt auf der Basis der Insolvenzverfahren, die im Jahr 2015 abgeschlossen wurden und deren finanzieller Ergebnisse untersucht, wie hoch die jeweiligen Deckungsquoten waren. Außerdem wurde so berechnet, wie viel die Gläubiger letztendlich von ihren Forderungen erhalten haben. Demnach betrug die Deckungsquote bei den Unternehmen 3,9 Prozent. Damit wurden in der Summe bei den Gläubigern noch rund 2,9 Milliarden Euro aus der Insolvenz realisiert. Hinzuzufügen ist, dass diese Quoten nur abgewickelte Verfahren betreffen. In der Hälfte der Fälle kommt es gar nicht erst zu einem Insolvenzverfahren – das Verfahren wird mangels Masse abgelehnt und der Gläubiger geht leer aus. Eine weitere Quelle für immense finanzielle Schäden ist im Zusammenhang mit Insolvenzdelikten zu sehen. Zu diesen gehören der Bankrott, die Verletzung der Buchführungspflicht, die Gläubiger- und Schuldnerbegünstigung und schließlich die Insolvenzverschleppung. Gegen den Trend hat die Zahl dieser Fälle 2015 um 3 Prozent zugenommen – 11.153 Fälle, d.h. fast die Hälfte aller Insolvenzen.

Die Zahlen geben zu denken – vor allem deshalb, weil viel die Rede von der guten Entwicklung bei den Insolvenzen ist. Es bleibt dabei: Die Schäden sind zu hoch, und sie führen in vielen Fällen durch einen Dominoeffekt zu weiteren Verlusten und Ausfällen.