Gute Wirtschaftslage für den Mittelstand

Die Herbstausgabe des Deloitte CFO Survey 2017 reflektiert die Einschätzungen und Erwartungen von CFOs deutscher Großunternehmen. Im Fokus stehen makroökonomische, unternehmensstrategische und finanzwirtschaftliche Themen. Herausgekommen sind klare Ergebnisse.

Gute Wirtschaftslage und steigende Investitionsvorhaben lassen auf zusätzliches Wachstum hoffen. Bild: © psdesign1 / Fotolia
Gute Wirtschaftslage und steigende Investitionsvorhaben lassen auf zusätzliches Wachstum hoffen. Bild: © psdesign1 / Fotolia

Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen steigt deutlich an und liegt auf einem Fünf-Jahres-Hoch. Deutlich weniger Optimismus will jedoch im Hinblick auf die aktuelle Geldpolitik aufkommen, die mehrheitlich als zu locker wahrgenommen wird. Dabei befürchten die 142 Teilnehmer, CFOs deutscher Großunternehmen und des Mittelstands, vor allem die Bildung neuer Blasen an den Finanz- und Immobilienmärkten. Entsprechend erwarten sie einen baldigen Zinsanstieg. 54% der teilnehmenden Unternehmen erzielen einen Umsatz von bis zu einer Milliarde Euro, 46% über eine Milliarde.

Die größten Risiken für die deutschen Unternehmen liegen im politischen Bereich und beim Fachkräftemangel.

„Bisher war der Aufschwung in Deutschland vor allem von Konsum und Exporten getragen. Die Investitionen der Unternehmen waren seit Jahren niedriger als erwartet und haben kaum zum Wachstum beigetragen. Die steigende Investitionsbereitschaft der Studienteilnehmer ist von daher eine sehr gute Nachricht, der Aufschwung könnte damit auf eine breitere Basis gestellt werden“, erklärt Dr. Alexander Börsch, Chefökonom und Leiter Research bei Deloitte.

Gute Wirtschaftslage für den Mittelstand und steigende Investitionsvorhaben lassen auf zusätzliches Wachstum hoffen 

  • Wirtschaftslage für den Mittelstand und Wirtschaftsaussichten sind in Deutschland, Eurozone und China gut bis sehr gut. Für die USA sind die Erwartungen für das kommende Jahr allerdings getrübt
  • Die Geschäftsaussichten sind seit Frühjahr konstant, während Mittelständler in den kommenden 12 Monaten verstärkt investieren wollen und mit steigenden Umsätzen rechnen
  • Zwei Drittel der Mittelstandsunternehmen bewerten die aktuelle Geldpolitik der EZB als zu locker; rund 60% der CFOs erwarten einen leichten Zinsanstieg im kommenden Jahr
  • Mehr als 70% der Mittelstands-CFOs planen einen hohen Automatisierungsgrad transaktionaler Prozesse, frei werdende Ressourcen sollen in wissensintensivere Prozesse fließen

Digitalisierung wird immer wichtiger

Digitalisierung hat einen erheblichen Einfluss auf Business Services, in denen die Aufbauorganisation und die Arbeitsweisen durch digitale Technologien grundlegend verändert werden könnten. Damit kann die Standardisierung und Automatisierung vorangetrieben werden und neue Möglichkeiten der Flexibilisierung nutzen. Eine Automatisierung wird der Mehrheitsmeinung zufolge in nahezu allen Bereichen stattfinden – und auch die Aufbauorganisation massiv beeinflussen. Die künftige Finanzorganisation wird multidisziplinärer, agiler und globaler.

„Die CFOs setzen vor allem auf bereichsübergreifende Teams und wirken somit der vorherrschenden Struktur funktionaler Silos in den einzelnen Business Services entgegen. Auch gerät die Stakeholder- und Produktorientierung zunehmend in den Fokus, die Hälfte der befragten Unternehmen plant, agile Organisationsstrukturen auch in der Finanzfunktion zu implementieren. Die gesamten Business Services werden noch globaler aufgestellt, die Shared-Services-Organisationen spielen eine wichtige Vorreiterrolle bei der Digitalisierung von Geschäftsprozessen“, ergänzt Rolf Epstein, Partner und Leiter Finance Consulting bei Deloitte.

Konjunktur: gute Aussichten für Wachstum

96 Prozent der befragten CFOs sieht einen steigenden Wachstum und damit eine gute Konjunktur. Das gilt nicht nur für Deutschland und die EU, sondern auch für nahezu alle anderen maßgeblichen Wirtschaftsregionen der Welt. Gerade gut sind die Aussichten für Deutschland und China, der Supermacht USA werden hingegen trotz wirtschaftlich guter Lage deutlich weniger gute Perspektiven bescheinigt.

Unsicherheit geht weiter zurück

Während die Konjunkturaussichten sich weiter positiv entwickeln, sinkt die allgemeine Unsicherheit unter den CFOs. Die größten Risiken für die Weltwirtschaft, den eigenen Wirtschaftsraum und das eigenen Unternehmen liegen für die Finanzchefs im politischen Bereich. Weiterhin angestiegen ist die Furcht vor bevorstehendem Fachkräftemangel. Dieser liegt nun bei 51 Prozent. Vor allem die Bereiche Maschinenbau und Immobilien sind hier besonders betroffen.

CFOs sehen billiges Geld kritisch

Kritisch gegenüber stehen die CFOs der Nullzinspolitik. Dabei erhöhe sich die Gefahr einer neuen Blasenbildung an den Finanz- und Immobilienmärkten. Zwei Drittel der Befragten sind dieser Ansicht, die besonders stark im Bankensektor vertreten wird. Nur jeder siebte CFO hält die momentane Geldpolitik für angemessen.

Schnelle Zinswende erwartet

Entsprechend der aktuellen konjunkturellen Entwicklung rechnen die meisten Befragten mit einer baldigen Zinswende. Für 60 Prozent wird diese innerhalb der nächsten zwölf Monate stattfinden – allerdings in einer eher gemäßigten Form mit nur einem leichten Leitzins-Anstieg. Mit einem drastischen Schritt rechnet keiner der CFOs. Die direkten Auswirkungen auf ihr eigenes Unternehmen sehen die meisten sehr gelassen, befürchten aber einen Rückfall hoch verschuldeter Staaten in die Krise. Sie sehen kaum Anlass, die eigenen Strategien zu überprüfen oder gar Investitionsentscheidungen zu überdenken.

Mehr Investitionen geplant

Die Zinsen werden wahrscheinlich steigen – die eigenen Geschäftserwartungen tun es bestimmt: Ein Drittel der Befragten ist deutlich optimistischer als vor Jahresfrist. Passend dazu wachsen auch die Investitionspläne. Hier ist eine klare Trendwende zu beobachten. Ganze 52 Prozent der Unternehmen planen einen Anstieg der Investitionen – der Saldowert liegt bei 40 Prozent und ist der höchste seit 2012. Die größte Investitionsbereitschaft findet sich in der Automotive- und Immobilienbranche. Investiert werden soll vor allem in Innovationen, auch wenn Kostensenkungen nach wie vor maximale Priorität haben.