Größenwahn kommt Thyssen-Krupp teuer zu stehen

Thyssen-Krupps Stahlwerkebau in Amerika gilt als eine der schlimmsten Fehlinvestitionen der deutschen Wirtschaft.

Etwa zwölf Jahre ist es her, als der damalige Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz zusammen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme 2005 beschloss er, zwei riesigen Stahlwerke zu bauen – eines in Brasilien, eins in den USA. Eigentlich sollte damit zum großen Wurf ausgeholt werden, doch das deutsche Traditionsunternehmen wäre daran fast zerbrochen und leidet noch heute darunter, berichtet die Süddeutsche Zeitung, die von der „schlimmsten Fehlinvestitionen der deutschen Wirtschaft“ spricht.

Der Grund: Die Löhne im aufstrebenden Brasilien stiegen, das Eisenerz dort wurde teurer – und beim Bau des gigantischen Werkes gab es erhebliche Probleme, die Investitionen stiegen und stiegen, die Anwohner protestierten gegen die Umweltbelastung. Dann ging auch noch die weltweite Nachfrage nach Stahl zurück, weil die Chinesen mit Dumpingpreisen auf den Markt drängten. Thyssen-Krupp taumelte von einer Krise in die nächste.

Acht Milliarden Euro Verlust

Nun kann der Konzern endlich einen – wenn auch teuren – Schlussstrich unter den Ausflug nach Brasilien und in die USA machen: Der südamerikanische Stahlhersteller Ternium kauft das brasilianischen Stahlwerk für rund 1,5 Milliarden Euro, vor Längerem war schon der Standort in Alabama abgestoßen worden. „Das ist ein wichtiger Meilenstein beim Umbau von Thyssen-Krupp hin zu einem starken Industriekonzern“, sagte Heinrich Hiesinger der zeitung, der im Oktober 2010 als Sanierer zu Thyssen-Krupp kam.

Insgesamt haben die beiden Werke Thyssen-Krupp zwölf Milliarden Euro gekostet. Darin eingeschlossen sind die Investitionen und hohe Anlaufverluste. Rund vier Milliarden Euro brachte der Verkauf der Standorte – das Werk in Alabama wurde bereits 2014 an Arcelor-Mittal und Nippon Steel abgegeben – sowie frisches Geld des Bergbauunternehmens und Partners Vale. Unter dem Strich bleibt damit ein Minus von acht Milliarden Euro.

Bild: © thyssenkrupp AG