Deutsche Wirtschaft nimmt Blockchain ernst

Blockchain-Anwendungen sind gerade aus vielen deutschen Start-ups nicht mehr wegzudenken. Doch auch etablierte Unternehmen sehen langsam die Wichtigkeit darin. In der Yougov-Studie „Potenzialanalyse Blockchain“ wurden Unternehmen verschiedenster Branchen nach ihrer Meinung gegenüber Blockchain-Anwendungen befragt.

Blockchain ist für deutsche Wirtschaft relevant. Bild: © blackdovfx / Getty Images / iStock
Blockchain ist für deutsche Wirtschaft relevant. Bild: © blackdovfx / Getty Images / iStock

In Deutschland hat sich inzwischen eine Blockchain-Szene mit vielen Start-ups etabliert. Das Zentrum bildet Berlin. Dort sitzt beispielsweise ein Team von Ethereum, einer Organisation, die eine der derzeit führenden Blockchain-Varianten erfunden hat. Hamburg wird durch seine Nähe zum Handel und zur Logistikbranche als kommende Blockchain-Hochburg für Anwendungen für die Realwirtschaft gehandelt.

Einsatz von Blockchain wird in vielen Unternehmen geprüft

Die Yougov-Studie „Potenzialanalyse Blockchain“, die im Auftrag von Sopra Steria Consultin durchgeführt wurde, bringt es auf den Punkt: Die deutsche Wirtschaft nimmt Blockchain sehr ernst. Ob Daimler, IBM, Bosch oder Renault, 47 Prozent der deutschen Unternehmen befassen sich momentan mit dem Einsatz von Blockchain-Anwendungen, allein 21 Prozent arbeiten sogar bereits an Prototypen.

„In den vergangenen fünf Jahren hat sich ein Markt entwickelt, und Investoren haben ein steigendes Interesse an Blockchain-Startups. Für viele Pioniere hat damit die Blockchain-Gegenwart bereits begonnen. Wer sich jetzt mit den Auswirkungen auseinandersetzt, wird Hürden schneller überwinden und damit früher neue Geschäftsmodelle auf Basis der Blockchain-Technologie entwickeln“, sagt Urs M. Krämer, CEO von Sopra Steria Consulting.

Wichtig für viele Unternehmen ist es, den Anschluss an die Blockchain-Anwendungen nicht zu verpassen. Das bedeutet, dass momentan Informationen zu den einzelnen Möglichkeiten gesammelt und Anwendungen getestet werden. Bisher besteht großes Interesse an möglichen Kauf- und Zahlungsvorgängen, die durch Blockchain-Anwendungen vereinfacht werden können.

Sicherheitsfragen bestimmen Zweifel an Blockchain-Anwendungen

„Vorteile können theoretisch überall entstehen, wo ein Austausch von Werten und Daten stattfindet, die durch sogenannte geschäftliche Vereinbarungen geregelt sind – also auch in der Arbeit mit Dienstleistern, im Handel, bei Streitfällen sowie bei der Revision und bei Überprüfungen durch Aufsichtsbehörden“, sagt Mustafa Cavus, Blockchain-Experte von Sopra Steria Consulting.

Zweifel bestehen momentan hauptsächlich im Bereich der Eignung. Viele Unternehmen fragen sich, ob der Einsatz möglicher Blockchain-Anwendungen wirklich von Vorteil ist und ihrem täglichen Ablauf etwas bringt. 51 Prozent der befragten Unternehmen fordern deshalb Verbesserungen im Schutz von vertraulichen Informationen. Außerdem sehen neben Datenschutz und Sicherheit Unternehmen auch die Kosten bei der Umsetzung von Blockchain-Anwendungen als schwierig.

Nichtsdestotrotz, sind sich 61 Prozent der befragten Unternehmen sicher, dass Blockchain-Technologien ihre zugehörige Branche in den kommenden fünf Jahren verändern werden. Gerade für Transaktionen könnte Blockchain einen ähnlichen Einfluss haben, wie damals das Internet, meinen Blockchain-Experten.

204 Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern wurden für die „Potenzialanalyse Blockchain“ befragt. Dabei waren die Branchen ganz unterschiedlich: Banken, Versicherungen und Medien waren dabei. Sopra Steria Consulting hat zudem gemeinsam mit dem F.A.Z.-Institut einen sogenannten „Managementkompass Blockchain“ veröffentlicht, der zeigen soll, welche Potenziale die Blockchain-Technologie kurz- und mittelfristig bieten kann.