BIM transformiert die Baubranche

Building-Information-Modeling könnte für die Baubranche den Durchbruch bedeuten, denn damit können jegliche Daten während der gesamten Bauphase synchronisiert werden. Doch bisher scheinen noch wenige Bauunternehmen auf diesen Zug aufzuspringen.

Baubranche im Umbruch. Bild: © Eisenhans / Fotolia
Baubranche im Umbruch. Bild: © Eisenhans / Fotolia

Die Digitalisierung ist überall und betrifft jegliche Branchen. Eben auch die Baubranche. Dank des Building-Information-Modeling (BMI) können schon seit einiger Zeit wichtige Gebäudedaten mit einer Software so digital modelliert und geometrisch visualisiert werden, dass der gesamte Lebenszyklus des Bauprojekts um Längen vereinfacht wird.

Die Folge? Bauprojekte können schneller und vor allem effizienter umgesetzt werden. Das hat auch die aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger herausgefunden, in der die BIM Technologien und die möglichen Auswirkungen auf die Baubranche analysiert wurden. Für das Projekt „Turning point for the construction industry – The disruptive impact of Building Information Modeling (BIM)“ führten die Forscher 20 Interviews mit BIM-Experten aus Europa.

Von Anfang an virtuell

Entscheidung vor und nach BIM-Einsatz. Bild: © Interviews Roland Berger
Entscheidung vor und nach BIM-Einsatz. Bild: © Interviews Roland Berger

Ein großer Vorteil von BIM sei es laut der Studie, dass es vornehmlich in den Anfangsprozessen verwendet wird. Dies hat auf alle folgenden Vorgänge einen positiven Einfluss. So können schon von Anfang an wichtige Entscheidungen über Materialbezug und ausführende Firmen getroffen werden.

BIM hat stärksten Einfluss auf die Baubranche

Neben allen anderen Trends, die die Baubranche gerade beeinflussen, wie zum Beispiel Roboter in der Konstruktion, automatisiertes digitales Marketing oder 3D-Druck, wird BIM mit Abstand den stärksten Einfluss auf diese Branche haben.

Kein Wunder also, dass sich der Markt für BIM-Anwendungen zwischen 2014 und 2022 vervierfachen wird. Bisher waren es noch 2,7 Milliarden Dollar, 2022 kann man dann von 11,5 Milliarden Dollar ausgehen, die in diesen Bereich investiert werden. Mit steigender Nachfrage und vor allem Umsetzung von BIM in der Baubranche sind eben auch alle Bauunternehmen gefragt. Wer BIM nicht einsetzt, wird einen erheblichen Nachteil haben. Auch wird diese Veränderung dazu führen, dass alle Marktteilnehmer ihre Geschäftsmodelle revidieren müssen. Denn dank BIM können Entscheidungen schon viel früher getroffen werden. So kann es dazu kommen, dass Architekten und Planer direkt über Dienstleister und Materialien entscheiden werden.

Deutschlands Bauunternehmen befinden sich noch im Juniorstadium

BIM-Studie von Roland Berger. Bild: © Roland Berger Autodesk University
BIM-Studie von Roland Berger. Bild: © Roland Berger Autodesk University

Es gibt sechs Levels der BIM -Entwicklung, die sich aus der Anzahl an Informationen und den Daten, die daraus verarbeitet werden, zusammensetzt. Deutschland ist demnach noch auf dem ersten Level. Diese zeichnet sich durch die Nutzung von 3D und 2D CAD-Anwendungen aus.

Länder, in denen BIM im öffentlichen Sektor Pflicht ist. Bild: © OPIIEC Roland Berger
Länder, in denen BIM im öffentlichen Sektor Pflicht ist. Bild: © OPIIEC Roland Berger

Baumaterial-Lieferanten müssen umdenken

Die Hersteller und Verkäufer von Baumaterialien könnten vom Potenzial des automatisierten Verkaufs profitieren. Allerdings sind auch einige Baumaterialien-Lieferanten laut der Roland-Berger-Studie sind in Sorge: „BIM bringt Risiken für unsere ausgebauten Verkaufskanäle mit, da unsere Kunden weniger Einfluss auf die Entscheidungsprozesse haben werden.“

Nichtsdestotrotz wird BIM innerhalb der Gebäudeverwaltung mehr Arbeitsplätze schaffen. Es wird Immobilienverwalter dazu bringen, mehr Daten in das Modell zu integrieren, Daten zu analysieren und akkurate Kalkulierungen durchzuführen.

Die internationale Strategieberatung Roland Berger wurde im Jahre 1967 gegründet und ist die führende Unternehmensberatung mit deutschem Erbe und europäischer Herkunft, die als unabhängige Partnerschaft im Eigentum von rund 250 Partnern funktioniert. Schwerpunkt von Roland Berger liegt auf Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, sowie öffentlichen Institutionen.

Mehr Informationen über die Entwicklung der Baubranche finden Sie der return 04/15.