Bahn-Konkurrent Locomore ist pleite

Dem weltweit ersten crowdfinanzierten Eisenbahnunternehmen ist fünf Monate nach dem Start das Geld ausgegangen.

Locomores Vorhaben, der Deutschen Bahn im Fernverkehr Konkurrenz auf der Schiene zu machen, ist innerhalb kürzester Zeit gescheitert: Nur fünf Monate nach dem Start musste das Unternehmen Insolvenz anmelden und seine Fahrten von Stuttgart nach Berlin vorerst einstellen. „Leider konnten wir aktuell nicht alle unser Verbindlichkeiten bedienen. Sowohl die Anzahl der Fahrgäste als auch die Einnahmen pro Fahrgast sind zwar kontinuierlich angestiegen, aber nicht schnell genug, um vollständig kostendeckend zu arbeiten“, hieß es seitens des Bahn-Konkurrenten. Die finanziellen Reserven seien aufgebraucht. Zudem habe ein Investor abgesagt, dessen Engagement die Insolvenz noch abgewendet hätte.

Die Pleite kommt überraschend. Schließlich hatte der geschäftsführende Gesellschafter von Locomore nur wenige Tage vor der Insolvenz noch positive Nachrichten verkündet: „Wir beginnen jetzt mit den ersten konkreten Planungen für die weitere Expansion, ab Frühjahr 2018 wollen wir mit einem zweiten Zug Berlin mit Dortmund, Düsseldorf und Köln verbinden“, sagte Derek Ladewig vor Kurzem.

Suche nach Investor läuft

Nun soll der Berliner Rechtsanwalt Rolf Rattunde, der vom Amtsgericht Charlottenburg zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde, Locomore retten. Um den Zugbetrieb fortsetzen zu können, braucht es dringend einen Investor. Erste Gespräche laufen bereits, hieß es seitens Locomore. Vom möglichen Erfolg ihres Konzepts sind die Locomore-Gründer noch immer überzeugt: „Wir vom Team von Locomore glauben weiterhin daran, dass das Produkt Locomore eine Bereicherung für den Fernverkehrsmarkt darstellt.“

Überzeugt werden müssen nun aber nicht nur potentielle Investoren, sondern auch die Kunden. Da der Verkehr von Locomore mindestens bis zum 21. Mai ruht, können Reisende ihre im Voraus gebuchten Tickets nicht nutzen und müssen sich nach Alternativen umschauen. Zwar verweist das Unternehmen auf Unterstützungsangebote von Flixbus und der Buchungsplattform „fromAtoB“. Hier erhalten Kunden, deren Locomore-Fahrt nicht stattfindet, einen Preisnachlass. Wirklich zufriedenstellen dürfte das aber wohl die wenigsten Betroffenen.

Ökologische Alternative zur Bahn

Locomore wollte die sympathische, umweltfreundliche und günstigere Alternative zur Bahn sein. „Wir versuchen, den Zugbetrieb in allen denkbaren Bereichen so ökologisch wie möglich zu gestalten. Dazu gehört natürlich auch, dass unser Zug mit echtem Ökostrom von einem der wenigen unabhängigen Anbieter fährt“, hatte Gründer Derek Ladewig erklärt. Das Konzept kam an. Dem Unternehmen gelang es, zahlreiche Unterstützer zu begeistern und 600.000 Euro via Crowdfunding einzusammeln. Damit wurde Locomore nach eigenen Angaben zum weltweit ersten crowdfinanzierten Eisenbahnunternehmen.

Gereicht hat das Budget jedoch nicht. Vor allem die Züge selbst machten dem Unternehmen zu schaffen – Probleme mit den Toiletten und dem WLAN führten dazu, dass Locomore mehr Zeit in die Wartung der Wagen investieren und den Fahrplan reduzieren musste. Der angedachte durchgehend tägliche Betrieb konnte damit bisher nicht realisiert werden.

Bild: Locomore, Text: Christin Otto