Auto-Manufaktur Wiesmann steht vor dem Comeback

Die Auto-Manufaktur Wiesmann aus dem münsterländischen Dülmen steht vor dem Comeback. 2014 meldete der Hersteller exklusiver Roadsters Insolvenz an. Nun will Wiesmann wieder auf die Überholspur. Mit neuem Personal an der Spitze und einer neuen Produktstrategie ist der Gecko auf dem Sprung. Auch aus dem Hause Karmann gibt es positive Nachrichten: Das Insolvenzverfahren aus dem Jahre 2009 neigt sich offenbar dem Ende zu.

Die Automanufaktur Wiesmann meldete 2014 Insolvenz an. Nun will die Kfz-Edelschmiede wieder auf die Erfolgsspur. Foto: © Rolf Vennenbernd / dpa / picture-alliance

Zunächst nach Dülmen ins nordrhein-westfälische Münsterland. Auf dem platten Land produzierten die Brüder Friedhelm und Martin Wiesmann seit 1993 exklusive Sportwagen in kleiner Serie. Als erster Roadster rollte der „MF 30“ auf die Straße, weitere PS-starke Eigenproduktionen folgten. Die Geschäftsidee: ein klassischer Roadster, Qualität made in Germany. Die Kunden, Fans exklusiver Sportwagen, ließen nicht lange auf sich warten. Bis 2013 produzierte die Kfz-Edelschmiede etwa 1600 Fahrzeuge mit einem Gecko als Logo. 2012 zogen sich die Firmengründer aus dem Geschäft zurück, Rolf Haferkamp übernahm als Geschäftsführer das Lenkrad. Doch im August 2013 beantragte die Unternehmensführung erstmals Insolvenz.

Investoren-Brüder Berry kauften Wiesmann 2016

Als der Versuch scheiterte, die Wiesmann GmbH in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, wurde Anfang 2014 über den Insolvenzverwalter die Liquidation eingeleitet. Diese endete im Mai 2014. Ein Jahr später entschieden die Gläubiger, den Gecko an die Finanzinvestoren Roheen und Sahir Berry aus London zu verkaufen, mit denen die Brüder Wiesmann seit geraumer Zeit im Geschäft waren. Preis: rund 5,7 Mio. Euro. Die Berry-Brüder kündigten an, Wiesmann zu erhalten und die Sportwagen international zu vermarkten. Spätestens seit Februar 2016, als das Landgericht Münster den Widerspruch gegen den Verkauf an Berry abschlägig beschieden und damit Rechtssicherheit geschaffen hatte, durften die Sportwagen-Freunde wieder hoffen.

Neuer Geschäftsführer kündigt neue Produktstrategie an

Die Investoren Berry erwarben das Firmengebäude in Form eines Gecko, die Markenrechte und die Produktionsfirma. Außerdem übernahm Mario Spitzner die Geschäfte, der von 1990 bis 2014 bei Mercedes-AMG Marketing und Vertrieb verantwortete. Im Februar 2017 stellte der neue Wiesmann-Chef die neue Strategie vor. Damals revidierte er laut Fachzeitschrift „Auto Motor und Sport“ die ursprüngliche Planung, wonach die bisherigen Modelle lediglich technisch überarbeitet werden sollten: „Unsere neue Produktstrategie und die Erschließung internationaler Märkte erfordern eine tiefgreifende Weiterentwicklung des bisherigen Fahrzeugkonzeptes – angefangen bei der Technik bis hin zu neuen Werkstoffen.“ Die Wiesmann-Gene blieben erhalten, der Design-Charakter werde behutsam weiterentwickelt.

Zwar brachten die Wiesmänner bisher noch kein neues Modell auf den Markt. Allerdings wurde inzwischen offiziell, dass BMW und die neue Wiesmann Sports Cars GmbH auch in Zukunft Partner bleiben. Dazu unterschrieben beide Unternehmen einen Serienentwicklungs- und Liefervertrag. Danach wird laut „Auto Motor und Sport“ die BMW M GmbH V8-Motoren nach Dülmen liefern. Das bedeutet: Wiesmann, nach eigenen Angaben der kleinste Autohersteller Deutschlands, will demnächst mit 500 bis 600 PS pro Auto zurück auf die Erfolgsspur.

Bei Karmann zeichnet sich Ende des Insolvenzverfahrens ab

Keine 100 Kilometer von Dülmen entfernt, im niedersächsischen Osnabrück, hatte die Wilhelm Karmann GmbH ihren Hauptsitz. Das Automobil- und Karosseriebau-Unternehmen fertigte dort sowie in Rheine hauptsächlich für Volkswagen, später auch für BMW und Mercedes, Ford und Audi. Mit dem Käfer Cabrio sowie mit dem sportlichen Zweisitzer Karmann-Ghia hatte das Unternehmen besondere Erfolge. Doch spätestens 2007 bekam das Konzept als Auftragsfertiger für Nischenfahrzeuge Risse: Der Verkauf von Geschäftsfeldern begann, um zusätzliche Liquidität für die Krise zu generieren. Denn Audi und Mercedes hatten ihre Cabrios wieder in die eigene Produktion zurückgeführt, Karmann suchte erfolglos Kompensationsgeschäfte für die Werke in Osnabrück und Rheine. Im April 2009 meldete Karmann vorläufige Insolvenz an, das Werk in Rheine wurde geschlossen. In Osnabrück kaufte sich Volkswagen ein.

Alle Gläubiger erhielten 15 Prozent ihrer Forderungen

Seit 2009 beschäftigen sich insbesondere die Gerichte mit dem Karmann-Niedergang. Ende vergangenen Jahres erhielten die 4.517 Gläubiger, zumeist Ex-Mitarbeiter und Beschäftigte der Zulieferer, Geld vom Insolvenzverwalter. Ausbezahlt wurde jeweils ein Betrag von 15 Prozent der jeweiligen Forderungen, zumeist ausstehende Löhne, berichtete die IG Metall. Insolvenzverwalter Ottmar Hermann ließ laut „Handelsblatt“ mitteilen: „Alle Gläubiger, bei denen eine berechtigte Forderung festgestellt worden ist, sind informiert worden und haben die Ausschüttung erhalten.“ Eventuell würden noch weitere Ausschüttungen folgen. Das hänge vom Ausgang noch offener Rechtsstreitigkeiten ab. „Wir stehen hoffentlich kurzfristig vor dem Abschluss dieses Verfahrens“, so Hermann.

Insolvenzverwalter rechnet mit einer Quote von bis zu 40 Prozent

Insgesamt rechne Hermann unverbindlich mit einer Quote von 40 Prozent auf die Insolvenzforderungen, hieß es. Die Quote sei außergewöhnlich hoch. Im Durchschnitt liege diese bei Regelinsolvenzen unter fünf Prozent auf die Insolvenzforderungen, meldete dpa. Kein Wunder: Insolvenzverwalter Hermann hatte zuvor 170 Millionen Euro vor dem BGH in Karlsruhe zugunsten der Insolvenzmasse erstritten: Diese Summe musste die Karmann Besitzgesellschaft WKO an die insolvente Karmann Betreibergesellschaft zurückerstatten; es handelte sich um verauslagte Umsatzsteuerzahlungen aus den Jahren 2006 bis 2009 – inklusive Zinsen.