Air Berlin Insolvenz und ihre Folgen

Der Flug der letzten Air Berlin Maschine, die in Berlin Tegel gelandet ist war ein theatralischer. Es gab ein Feuerwerk, es gab Champagner, es flossen Tränen. Mittlerweile werden die bekannten Schokoladenherzen der Berliner Fluggesellschaft schon für etliche Euros auf Onlineplattformen verkauft, dabei ist der „Albtraum Air Berlin“ noch lange nicht vorbei.

Air Berlin Insolvenz führt zu schwarzen Zeiten. Bild: © Nastco / Getty Images / iStock
Air Berlin Insolvenz führt zu schwarzen Zeiten. Bild: © Nastco / Getty Images / iStock

Die Hoffnung: NIKI Luftfahrt GmbH

Die nächste Schreckensmeldung in der Airlinebranche ereilte die Experten mit der Insolvenz der Air-Berlin-Tochter NIKI. Nachdem die Lufthansa ihr Angebot zurückgezogen hatte, stellte die NIKI Luftfahrt GmbH am 13. Dezember 2017 einen Insolvenzantrag. Die österreichische Fluggesellschaft mit Sitz in Wien hat bereits zum 14. Dezember 2017 den Flugbetrieb eingestellt.

Nichtsdestotrotz werden fast alle Passagiere, die Flüge bei der insolventen Airline NIKI gebucht haben, den gezahlten Flugpreis zurück erhalten oder direkt umgebucht. Dies teilte der vorläufige Insolvenzverwalter der „NIKI Luftfahrt GmbH“, Prof. Dr. Lucas F. Flöther, mit.
Nach aktuellem Stand wurden bis zum Insolvenzantrag der Fluglinie rund 410.000 NIKI-Flugtickets ausgestellt, die noch nicht abgeflogen wurden. Davon wurden rund 210.000 Tickets über Reiseveranstalter gebucht. Diese Tickets werden durch die jeweiligen Reiseveranstalter automatisch umgebucht. Die Inhaber der 200.000 direkt bei NIKI erworbenen Tickets erhalten – sofern sie ihre Tickets nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin Mitte August 2017 erworben haben – den Reisepreis voraussichtlich voll
erstattet. Dies gilt für alle diese Tickets mit Reisezeitraum bis Ende Oktober 2018.
Für die 15.500 Passagiere mit Buchungszeitraum bis 31. Dezember 2017, die ihren Flug direkt bei Niki gebucht haben und sich an ihrem Reiseziel im Ausland befinden, haben mehrere Fluggesellschaften eine Rückholaktion organisiert. Folgende Airlines beteiligen sich an der Rückholaktion: Condor, Eurowings, Germania, Lufthansa, Austrian Airlines, Swiss und TUIfly. Diese Airlines informieren diese Passagiere direkt über die genauen Konditionen der Rückholaktion.

Flöther bemüht sich derzeit um eine Investorenlösung, um zumindest in Teilen eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs zu erreichen und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Dafür hat er einen Schnellverkauf, einen Fire Sale, ausgerufen. Potentielle Käufer können ihre Angebote für den Ferienflieger demnach noch bis zum 21. Dezember um 12 Uhr einreichen. Bisher haben sich folgende Kaufinteressenten geäußert: Niki Lauda, Condor, Thomas Cook, Zeitfracht, Nayak, Ryanair und IAG.

Die Erweiterung: Topbonus geht an Germania

Von nun an können die 4,3 Millionen Mitglieder von „topbonus“, dem Vielfliegerprogramm der Air Berlin Punkte und Meilen bei der unabhängigen deutschen Fluglinie Germania sammeln und auch einlösen. Das Angebot gilt unbefristet für Flüge zu allen Zielen der Airline. Das Einlösen von Prämienmeilen für Germania-Flüge ist für Anfang 2018 geplant.

Germania gehört mit 3 Mio. Passagieren pro Jahr zu den etablierten deutschen Fluggesellschaften. Das Streckennetz der Airline, die unter grün-weißem Logo fliegt, umfasst mehr als 55 Reiseziele vorrangig im Mittelmeerraum, Nordafrika sowie im Nahen und Mittleren Osten. Als eine der wenigen Fluggesellschaften bietet Germania ihren Gästen Full-Service an Bord bestehend aus kostenfreien Snacks, Softdrinks, Zeitschriften sowie mindestens 20 Kilogramm Freigepäck.

„Die Zusammenarbeit mit Germania ist für topbonus und unsere Teilnehmer eine tolle
Erweiterung des Angebots“, betonte Anton Lill, Geschäftsführer der topbonus Ltd. „Wir freuen uns sehr, die Service-Airline als Partner zu gewinnen. Darauf ruhen wir uns jedoch nicht aus. Wir arbeiten konsequent am weiteren Ausbau unseres Angebots, wozu auch die geplante Meileneinlösung für Flüge im Streckennetz der Germania gehört.“

Um auf Germania Flügen Meilen zu sammeln, müssen die Tickets über das Germania Service Team unter der Telefonnummer: +49 (30) 610818 010 (aus der Schweiz: +41 (43) 5086928) gebucht werden. Sofort nach der Ticket-Ausstellung werden den topbonus Teilnehmern ihre Meilen automatisch gutgeschrieben. Dabei gibt es für Flüge innerhalb Europas – je nach gebuchtem Tarif – bis zu 2.000 Meilen für einen Hin- und Rückflug; für Flüge zu Zielen außerhalb Europas (z.B. Tel Aviv, Beirut, Teheran und Ägypten) sind dies bis zu 4.000 Meilen.

Bereits im September hatte topbonus seinen Teilnehmern wieder die Möglichkeit eröffnet, bei Etihad und vielen weiteren Partnern am Boden Meilen zu sammeln, u.a. bei Autovermietern, Hotelportalen sowie über den topbonus Meilen-Pilot (www.meilen-pilot.de) bei mittlerweile über 1.000 Online-Händlern.

Die Sanierung: Air Berlin Holidays

Das Reiseportal Air Berlin Holidays (vormals BINOLI) muss nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin neu ausgerichtet werden. Das Unternehmen sucht derzeit mit Spezialisten von Schultze & Braun nach einer entsprechenden Lösung. 51 Prozent der Anteile an Air Berlin Holidays hält der Baden-Badener L’tur-Gründer Karlheinz Kögel, die restlichen 49 Prozent liegen bei einer Tochtergesellschaft derinsolventen Air Berlin. Die Fluggesellschaft hatte Ende Oktober ihren Flugbetrieb eingestellt.

Karlheinz Kögel hatte deshalb schon kurz nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin ein Team um die Sanierungsspezialisten Dr. Ludwig J. Weber und Stefano Buck von Schultze & Braun damit beauftragt, mit Air Berlin in Kontakt zu treten, um eine Lösung für das Reiseportal zu finden.

„Wir diskutieren mit den Ansprechpartnern bei Air Berlin alle Optionen für eine Lösung. Auch eine Auflösung der Gesellschaft ist im Bereich des Möglichen. Sollte dies so kommen,
möchte Herr Kögel auch in diesem Fall Schäden für Kunden und Mitarbeiter vermeiden“,
sagt Dr. Weber. Karlheinz Kögel bestätigte, dass sich für Urlauber, die über das Reiseportal
buchen oder gebucht haben, nichts ändern werde. Die von dem Unternehmen angebotenen
Pauschalreisen würden, so Kögel, selbstverständlich durchgeführt.

Noch mehr Informationen zu der Insolvenz von Air Berlin und den Veränderungen in der Flugzeugbranche können Sie im Heft return 03/17 nachlesen.