Agile Technologien machen Unternehmen innovationsfähig

Globalisierung, Digitalisierung und agile Technologien verändern die Marktbedingungen zum Teil radikal. 3D-Druck und neue, integrierte Software-Lösungen verändern die Produktentwicklung und brechen Lieferketten auf. Digitale Plattformen stellen bestehende Wertschöpfungssysteme in Frage und Big Data Analytics ermöglicht mit Anwendungen wie vorausschauender Wartung neue Kundenbeziehungen – um nur einige Beispiele zu nennen. Die Folgen sind ein schärferer Wettbewerb und Druck auf die Margen in vielen Marktsegmenten.

Deutsche Industrie setzt auf agile Technologien. Bild: © ake1150 / Fotolia
Deutsche Industrie setzt auf agile Technologien. Bild: © ake1150 / Fotolia

Innerhalb der Studie „Digital Engineering: Agile Produktentwicklung in der deutschen Industrie“ wurde untersucht, wie es um die Innovationsfähigkeit der deutschen Industrie bestellt ist und welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Wettbewerbsfähigkeit durch Produkt- und Prozessinnovationen angesichts sinkender Margen durch digitale Wertschöpfungs- und Geschäftsmodelle zu gewährleisten.

Das größte Ergebnis dieser Studie ist mit Abstand die Tatsache, dass die Deutsche Industrie „voll auf digitale Technologien setzen“ will. 75% der Digitalisierungsverantwortlichen der 505 befragten Unternehmen des produzierenden Gewerbes, bestätigten, dass bereits Cloud Computing im Einsatz wäre. In Bezug auf Industrie-4.0-Anwendungen sahen die Antworten anders aus. Hier beantworteten nur 39 Prozent die Nachfrage eines solchen Einsatzes mit einer Zustimmung.

Relevanz von Wettbewerbsstrategien

Fast alle Industrieunternehmen sehen ihre wichtigste Aufgabe darin, ihre bestehenden Produkte und Dienstleistungen beständig zu verbessern. Damit wollen sie sich auf ihren Märkten gegen die Konkurrenz behaupten. Gleichauf liegt die Erschließung neuer

Kundengruppen, um Umsätze und Gewinnen zu steigern. Vier von fünf Unternehmen wollen sich besser positionieren, indem sie kundenspezifische Lösungen entwickeln. Die digitale Vernetzung der Produktion beschleunigt diesen Trend, weil sie die Herstellung kleiner Losgrößen zu geringen Kosten ermöglicht. 60 Prozent der befragten Unternehmen halten es für wichtig oder sehr wichtig, ihre Geschäftsprozesse im Zuge der Digitalisierung anzupassen. Digitale Geschäftsprozesse ermöglichen es den Unternehmen, die Kosten zu senken, die Produktivität zu steigern und ihre Flexibilität zu erhöhen. Gut die Hälfte der Industrieunternehmen (51 Prozent) will als Folge der digitalen Transformation sogar ihr Geschäftsmodell anpassen. Damit verfolgen sie das Ziel, neue Umsatzquellen zu generieren und Marktanteile zu gewinnen. Eng damit in Verbindung steht das Vorhaben, völlig neue Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt zu bringen. Für knapp die Hälfte der Unternehmen (47 Prozent) ist das eine sehr wichtige oder eher wichtige Strategie, um sich im Wettbewerb durchzusetzen.

3D-Druck-Verfahren auf dem Vormarsch

Laut der Studie verwenden 27 Prozent, also jedes vierte Unternehmen 3D-Druck-Verfahren, jedes fünfte Unternehmen dagegen setzt auf Robotik. In Bezug auf künstliche Intelligenz dominiert jedoch weiterhin das Zögern. „Die Unternehmen nutzen digitale Technologien, um die Produktentwicklung zu beschleunigen, Fertigungsprozesse zu optimieren oder die Anpassungsfähigkeit ihrer Organisation zu erhöhen”, sagt Axel Pols, Geschäftsführer von Bitkom-Research.

Erfolg durch Agilität

Ein überraschendes Ergebnis der Studie war die Meinung gegenüber der Agilität in einzelnen Unternehmen. Gerade durch die hohe technologische Dynamik, sei die Agilität für Produktionsbetriebe sehr wichtig. Viele der befragten Unternehmen entwickeln sich demnach stark in Richtung agiler Produktionsstrukturen. 64 Prozent aller befragten Unternehmen sehen die Agilität als wichtig an, während drei von vier Unternehmen (74 Prozent) gerade für die Produktionsentwicklung auf hohe Agilität setzt.

Nachzügler vs. Vorreiter

Klar wurde in der Studie auch, dass sich die Unternehmen ganz offensichtlich in Nachzügler und Vorreiter unterteilen lassen. Durch eine Clusteranalyse aller Studienergebnisse wurde deutlich, dass 42 Prozent der befragten Unternehmen als Vorreiter in Bezug zu agilen Anwendungen gelten, während 23 Prozent ganz klare Nachzügler sind. Agilitätsvorreiter sind laut eines Vergleichs innovationsfähiger, sie nutzen digitale Technologien intensiver und legen einen größeren Wert auf ihre Mitarbeiter. Auch andere Ergebnisse bestätigen Unterschiede zwischen beiden Gruppen:

  • 45 Prozent der Vorreiter nutzen Industrie-4.0-Anwendungen, aber nur 31 Prozent der Nachzügler
  • 32 Prozent der Vorreiter setzen bereits 3D-Druck-Verfahren ein
  • 72 Prozent der Vorreiter investiert in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter, aber nur 28 Prozent der Nachzügler

Wie passen agile Technologien zu Innovationsfähigkeit?

In der Studie wird ein klarer Zusammenhang zwischen Agilität, Innovationsfähigkeit und dem Digitalisierungsgrad der befragten Unternehmen deutlich. „Auf dem Weg zu einer agilen, anpassungsfähigen Organisation sollten Unternehmen schrittweise ihre Strukturen und Prozesse anpassen”, erklärt Pols. Gleichzeitig müssten Mitarbeiter und Führungskräfte eine agile Technologien verinnerlichen, bei der sie Veränderungen willkommen heißen und nicht als Bedrohung empfinden. Dafür, heißt es, würden sie mehr Verantwortung und bessere Qualifizierungsmöglichkeiten erhalten.

Grundlage der Studie ist eine repräsentative telefonische Unternehmensbefragung, die Bitkom Research im Auftrag des Software-Anbieters Autodesk GmbH im Juli und August 2017 durchgeführt hat. Dafür wurden insgesamt 505 nach Branchen und Größenklassen repräsentativ ausgewählte Industrieunternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern befragt. Die Interviews wurden mit Führungskräften durchgeführt, die in ihrem Unternehmen für das Thema Digitalisierung verantwortlich sind. Dazu zählen Geschäftsführer und Vorstandmitglieder ebenso wie Entscheider aus den Bereichen digitale Technologien, Informationstechnik, operatives Geschäft sowie Forschung und Entwicklung.