Finanzierung 4.0 erspart das Betteln um Kredite

Wenn Mittelständler in ihren Betrieb investieren wollen, führt der Weg oft zur Hausbank. Doch fast die Hälfte aller mittelständischen Industrieunternehmen, die ihre Maschinen, Anlagen und Geräte per Kredit erwerben möchten, bekommen bei der Finanzierung Probleme. Häufig sind Banken nicht von der Investition überzeugt. Ein neues Modell könnte helfen.

Mittelständler, die ihrer Hausbank gut aufbereitete Betriebsdaten vorlegen, kommen schneller an Kredite. Bild: © K.-U. Hässler / fotolia.com

Fast jeder zweite Industriebetrieb finanziert neue Maschinen oder Anlagen per Kredit. Erste Adresse: die Hausbank. 42 Prozent der Unternehmen bieten dingliche Sicherheiten, 46 Prozent keine. Aber das funktioniert nicht immer: Insgesamt 46 Prozent dieser Unternehmen beklagen, ihre Bank lasse sich nur schwer von ihren Investitionsplänen überzeugen. Als „leicht“ oder sogar „sehr leicht“ bezeichnen jeweils lediglich drei Prozent der Firmen derartige Gespräche mit ihrer Hausbank.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Industrieller Mittelstand und Finanzierung 4.0“ des Mittelstandsfinanzierers „creditshelf“ in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt. Für die Erhebung befragte ein Marktforschungsunternehmen im Juli 2017 187 Vorstände und Geschäftsführer online. Die Studie wurde wissenschaftlich begleitet von Prof. Dr. Dirk Schiereck, Leiter des Fachbereichs Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt.

Ratschlag: Interne Zahlen gut aufbereitet vorlegen

„Unsere Studie zeigt, dass viele Mittelständler ihre Banken förmlich um Kredite für Investitionsvorhaben anbetteln müssen. Statt sich damit abzufinden, sollten die Unternehmen jetzt handeln“, fordert Prof. Schiereck. Er rät Unternehmern, ihre internen Zahlen bis hin zu Industrie-4.0-Daten gut aufbereitet vorzulegen. Das könne die Entscheidungen der Banker „deutlich vereinfachen und beschleunigen“.

Laut Studie arbeiten bereits 47 Prozent der Firmen bei ihren Investitionsentscheidungen mit einem Modell, das industrielle Daten in Zusammenhang zu den Finanzkennzahlen stellt. Weitere 42 Prozent der Befragten arbeiten gerade daran. In ein derartiges Modell fließen in erster Linie die Betriebsstunden ein (60 Prozent), gefolgt von den Verbrauchswerten (55 Prozent), den Wartungsintervallen (53 Prozent) und den Durchlaufzeiten sowie Reklamationen (jeweils 51 Prozent). Zudem berücksichtigen die Firmen die Ausschussquote sowie die Unfälle.

Mittelständler hoffen auf weniger Bürokratie und bessere Konditionen

85 Prozent aller Befragten sind prinzipiell bereit, ihren Kreditgebern Echtzeit-Daten zur Verfügung zu stellen. Das gilt auch für Mittelständler, die diese Daten bislang nicht erheben. Deutlich über die Hälfte der Mittelständler (59 Prozent) erhoffen sich dadurch schnellere Kreditentscheidungen. Weitere 56 Prozent würden Einblick in ihre Echtzeit-Daten gewähren, um den bürokratischen Aufwand bei der Kreditvergabe zu senken, 53 Prozent hoffen auf flexiblere Laufzeiten, jeder Zweite auf bessere Zinsen oder eine flexiblere Kreditsumme (je 46 Prozent) sowie den Verzicht auf dingliche Sicherheiten (35 Prozent).

Nicht alle Unternehmen trauen der Datensicherheit ihrer Hausbank

Aber es gibt auch Bedenken. Wer keine Daten weiterreichen will, hat Angst vor Industriespionage (57 Prozent) oder kein hinreichendes Vertrauen in die Datensicherheit der Hausbank (46 Prozent), so die Studie.

„return“ hatte in der Ausgabe 2/17 ausführlich zum Thema Finanzierung berichtet.

Hier geht’s zur Studie „Industrieller Mittelstand und Finanzierung 4.0“.