Otto-Versand will umstrukturieren

Den ersten Verlust in seiner 65-jährigen Geschichte musste der Otto-Konzern im Geschäftsjahr 2014/15 hinnehmen. Mit einer Straffung des Konzerns, neuen Geschäftsmodellen und dem Ausbau der IT und Logistik will der Konzern wieder schwarze Zahlen schreiben.

Der Handels- und Dienstleistungskonzern Otto Group, Hamburg, hat das Geschäftsjahr 2014/15 (28. Februar) mit einem leichten Umsatzwachstum und einem deutlichen Rückgang im Ergebnis abgeschlossen. Die Otto Group konnte ihren Umsatz zwar um 0,5 Prozent auf 12,057 Milliarden Euro steigern (Deutschland: +1,1 Prozent auf 7,139 Milliarden Euro). Das EBIT ging aber von 401 auf 79 Millionen Euro zurück, vor Steuern (EBT) musste die Otto Group sogar einen Verlust in Höhe von 125 Millionen Euro hinnehmen.

Während sich das Geschäft in Deutschland und bei vielen bedeutenden Kerngesellschaften wie Otto, Bonprix, der Witt-Gruppe, der EOS Gruppe und der Hermes Gruppe solide entwickelte, belasteten vor allem die Aktivitäten in Russland, Frankreich und den USA den Ertrag.

Ein dreistelliger Millionenbetrag floss in neue Konzepte wie Collins und Yapital, ähnlich hoch waren die Investitionen in die dezentrale IT diverser Unternehmen der Otto Group. Mit jeweils zweistelligen Millionenbeträgen wurde die Logistikinfrastruktur ausgebaut und in die Beteiligung an innovativen Startups investiert. Über ihre Corporate-Venture-Töchter Eventures und Project A hat sich die Otto Group seit 2008 mit einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag an rund 130 jungen Unternehmen der Digitalwirtschaft in mehr als zehn Ländern beteiligt.

Im Geschäftssegment Multichannel-Einzelhandel (MCE) war der Onlinehandel erneut der Wachstumstreiber. Die weltweit mehr als 100 Online-Shops der Otto Group konnten ihren Umsatz um 5,1 Prozent beziehungsweise 300 Millionen Euro auf knapp 6,5 Milliarden Euro steigern und bestätigen damit die führende Stellung der Otto Group als weltweit zweitgrößter Onlinehändler mit dem Endverbraucher hinter Amazon. In Deutschland wuchs die Otto Group im Internet-Handel ebenfalls um 5,1 Prozent auf knapp 4,2 Milliarden Euro und konnte so ihre Position als führender Onlinehändler für Mode, Möbel und Wohnaccessoires bestätigen. Allerdings liegt die Otto-Group damit unter der Entwicklung des gesamten Onlinehandels in Deutschland, der um sieben Prozent zulegte.

Um wieder in die Gewinnzone zurückzukehren, denkt der Versandhändler über den Verkauf von Tochtergesellschaften nach. „Wir restrukturieren, und dort wo es nötig ist, restrukturieren wir auch sehr konsequent“, erklärte Konzernchef Hans-Otto Schrader. Ziel der Restrukturierung sei es, die Gruppe mit ihren mehr al 123 Töchter in mehr als 20 Ländern zu straffen. Dazu plant man, sich möglicherweise von bis zu acht Beteiligungen zu trennen. Zusätzliche Erlöse sollen durch den Verkauf von Werbung auf den Internetseiten an andere Unternehmen erzielt werden. Ein Geschäft, das enorm wächst und hochprofitabel ist.

Die digitale Transformation wird zudem mit größerer Geschwindigkeit vorangetrieben. „Wir werden erneut dreistellige Millionenbeträge in unsere IT, Logistik sowie den Aufbau neuer Geschäftsmodelle investieren“, betont Hans-Otto Schrader, „um die Zukunftsfähigkeit der Otto Group langfristig zu sichern.“ Als Ziel formuliert der Vorstandsvorsitzende: „Die Otto Group wird im laufenden Geschäftsjahr ein Umsatzplus von drei Prozent erwirtschaften und eine Rückkehr in die Gewinnzone schaffen.“